Bahnsteige in Höchst und Mümling-Grumbach modernisiert
Bürger wollen Höchster Güterschuppen vor Abriss bewahren

Bahnhof Höchst MittelbahnsteigNach rund fünf Monaten Bauzeit wurde am 26. Februar 2007 der neue Mittelbahnsteig am Bahnhof Höchst fertig gestellt. Im Rahmen der Bauarbeiten wurde das verschwenkte zweite Gleis um 2,50 Meter an das Bahnhofsgebäude herangerückt. Damit entstand zwischen den beiden Schienensträngen Platz für einen Mittelbahnsteig, der jetzt von den Passagieren in beide Fahrtrichtungen genutzt wird. Da zum Erreichen des Mittelbahnsteiges nur ein Gleis gequert werden muss, ist keine spezielle Sicherung des Zuganges notwendig. Die neue Bahnsteighöhe von 55 Zentimeter über den Gleisen ermöglicht ein bequemes Ein- und Aussteigen am Zug. Dies gilt insbesondere für Fahrgäste mit Kinderwagen oder behinderte Personen. Am Überweg wird die Höhe zum Bahnsteig mit einer behindertengerechten Rampe überwunden.

Bahnhof Höchst ÜbergangWährend die Verantwortlichen in Pressemitteilungen schon die Eröffnung feierten, waren die Fahrgäste zunächst noch Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt. Erst nach und nach wurde der Bahnsteig noch mit Info-Vitrinen, Beschilderungen, Beleuchtung, Lautsprechern, Sitzgelegenheiten und Funkuhren ausgestattet.

Bauarbeiten HöchstKurz nach der offiziellen Eröffnung. Noch keine Unterstellmöglichkeiten für Fahrgäste.

Streit um Bahnhofsvorplatz und Güterhalle

Heftigen Streit hat die Ankündigung der Gemeinde Höchst ausgelöst, das Vorhaben der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes zur ÖPNV-Anlage nicht weiter verfolgen zu wollen. Hintergrund ist der Streit um die historische Güterhalle, die auf dem betreffenden Gelände steht. Die Gemeinde wollte sie abreißen lassen, dagegen legte der Denkmalschutz sein Veto ein. Dann sollte die Güterhalle versetzt werden. Eine neu gegründete Interessengemeinschaft Güterhalle protestierte gegen die geplante Versetzung des Gebäudes, da der historische Sandsteinkeller zerstört worden. Zudem - so die IG - wäre der historische Kontext zerstört: „Dabei spiegelt gerade das Ensemble Bahnhofsgebäude und Güterhalle wider, wie die Anfänge der Odenwaldbahn aussahen und welch wichtige Bedeutung der Höchster Bahnhof für Personen- und Güterverkehr der Unterzent hatte. Das alles sind wesentliche Gründe, warum die Halle unter Denkmalschutz gestellt worden ist. Kurzum: Die Güterhalle gehört an den Bahnhof Höchst und nicht irgendwohin“, so die IG in einer . Pressemitteilung. Zudem wären Kosten von geschätzten 600.000,-- € entstanden. Laut IG sei eine Nutzung der Güterhalle möglich, zumal ein privater Investor sie kaufen und entwickeln wolle. Ein Kaufantrag liege sowohl der Gemeinde Höchst als auch dem bisherigen Eigentümer, der Bahnverwertungsgesellschaft Aurelis Real Estate vor.

GüterschuppenDas "Streitobjekt" - der alte Güterschuppen in Höchst.

Achtung, DenkmalschutzNachdem der ursprüngliche Plan zur Umgestaltung des Vorplatzes nicht verwirklicht werden konnte, legte die Gemeinde sämtliche Planungen auf Eis. Auch eine vorhandene Alternativplaung - bei der die Güterhalle stehen bleiben könnte - wird nicht mehr verfolgt. Fahrgastverbände und der Landkreis kritisieren die Entscheidung heftig. Der VCD sieht die Gemeinde Höchst in der Pflicht, unverzüglich an Konzepten mitzuwirken, bei denen der Bau erhalten bleibt und dennoch den Anforderungen an einen leistungsfähigen Verknüpfungspunkt zwischen Bus und Zug Rechnung getragen wird“, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Fahrgastbeirat des Odenwaldkreises vertritt die Auffassung, dass der Bahnhofsvorplatz dringend neu gestaltet werden muss, um die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs im Nordkreis zu stärken. Klimaschutzziele könnten nur erreicht werden, wenn immer mehr Bürger Bus und Bahn fahren. Das Parlament von Höchst hat im übrigen beschlossen, die für die Arbeiten am Bahnhofsgelände vorgesehenen Mittel auf eine Erweiterung des Kindergartens am See umzuleiten. Die IG Güterhalle hat am Schuppen Hinweisschilder auf den Denkmalschutz angebracht, um einen illegalen Abriss zu verhindern. Leidtragende der Provinzposse sind die ÖPNV-Nutzer, die am Bahnhof Höchst vom Zug in den Bus umsteigen.

14.04.2010: Odenwälder Landrat für Abriss des Güterschuppens

Wie Echo-online heute berichtet, hat Landrat Kübler die Denkmalschützer des Odenwaldkreises (und damit seine eigene untere Denkmalschutzbehörde) angewiesen, dem Abriss zuzustimmen. Der Vorgang liegt nun bei der zuständigen Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann im hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

24.06.2010: IG fordert weiter Erhalt der Güterhalle

Die IG Güterhalle fordert weiter den Erhalt des Höchster Güterschuppens. Vorstellbar sei eine Nutzung als Kiosk oder Fahrradverleih, so die IG gegenüber dem Odenwälder Echo. Laut IG sei ein Investor bereit, die Halle zu erwerben und eine beachtliche Summe zu investieren. Auf Nachfrage des Odenwälder Echos teilte das Ministerium mit, dass eine Entscheidung über Bestand oder Abriss des Schuppens noch nicht gefallen sei. In der Denkmaltopographie "Eisenbahnen in Hessen" von 2005 wird die Halle als schützenswert eingestuft. Die Landesbehörde hat jetzt - so das Odenwälder Echo - die Interessen abzuwägen, die für oder gegen die Beibehaltung dieses Status sprechen.
Zum Artikel beim Odenwälder Echo

Bahnhof Mümling-Grumbach

Bahnhof Mümling-GrumbachAuch im Bahnhof Mümling-Grumbach wurde ein neuer Mittelbahnsteig gebaut. 300 Meter Gleis wurden hierfür verlegt. Dieser Bahnsteig wurde bereits im Dezember 2006 eröffnet. Im Bahnhof waren bis zum Ende der Bauarbeiten im Dezember 2006 keine Zugkreuzungen möglich, so dass sich bei einigen Zügen im Berufsverkehr die Fahrtzeiten änderten. Mit Inbetriebnahme des neuen Bahnsteiges wurde der Bahnhof auch in der Realität in Höchst Mümling-Grumbach umbenannt. In den Fahrplänen war der neue Name bereits seit Dezember 2005 verzeichnet.

Großer Bahnhof für die Fledermaus

Wie Echo-online am 08.06.2010 berichtet, hat sich das Naturschutzzentrum Odenwald das leer stehende Bahnhofsgebäude gesichert und dort einen der drei größten Bereiche für Fledermäuse in Hessen geschaffen.

Streckensperrung zwischen Wiebelsbach-Heubach und Bad König
14.10.2006 bis 29.10.2006

Wegen Bauarbeiten zur Errichtung der neuen Bahnsteige in Höchst und Mümling-Grumbach musste die Strecke zwischen Wiebelsbach-Heubach und Bad König vom 14.10.2006 bis 29.10.2006 gesperrt werden. So wurden in Höchst und Mümling-Grumbach die Gleise verschwenkt und teilweise erneuert. In Höchst wurde zudem etwas außerhalb des eigentlichen Bahnhofsgeländes ein provisorischer Mittelbahnsteig (siehe Foto unten) errichtet. Außerdem wurden im Frau-Nauses Tunnel die Gleise ausgetauscht.

Bauarbeiten HöchstZwei Tage vor dem Ende des Schienenersatzverkehrs wird am 28.10.2006 im Bahnhof Höchst noch kräftig gebaut.

Deutlich erkennt man auf dem Foto die erneuerten und verlegten Gleise und den vergrößerten Gleisabstand. 450 Meter Gleis wurden verlegt. Dazu wurde - wie das Odenwälder Echo berichtet - der Untergrund 1,20 Meter tief ausgehoben, zu einem Drittel mit einem Kalk-Zement-Gemisch wieder aufgefüllt, um dann die Frostschutz- und Schotterschicht aufzubringen. Spezialisten suchten übrigens zunächst das Gelände nach Blindgängern ab, da Höchst im zweiten Weltkrieg bombardiert wurde.

Gleichzeitig Bauarbeiten auch im Frau-Nauses-Tunnel

Frau-Nauses-TunnelDa die Strecke aufgrund der Bauarbeiten für die neuen Bahnsteige ohnehin gesperrt werden musste, nutzte die DB Netz die Gelegenheit und verlegte gleichzeitig im Frau-Nauses-Tunnel (Bild rechts - noch mit altem Gleisbett) neue Gleise.

Schienenersatzverkehr zwischen Wiebelsbach-Heubach und Bad König/Erbach

Für die Dauer der Bauarbeiten endeten von Darmstadt/Frankfurt kommende Züge in Wiebelsbach-Heubach. Züge mit Ziel Erbach wurden zwischen Wiebelsbach und Erbach durch Busse ersetzt. Züge mit Ziel Eberbach wurden nur zwischen Wiebelsbach und Bad König durch Busse - die nicht über Hetschbach fuhren - ersetzt. Zwischen Bad König und Eberbach pendelte ein ITINO. Durch diese geschickten Maßnahmen blieb die Verbindung Darmstadt - Eberbach ebenso wie die Verbindung Eberbach - Frankfurt weitgehend erhalten. Laut Aussage der OREG gab es nur wenige Fahrgastbeschwerden über den Busverkehr.

Bus WissmüllerDer Schienenersatzverkehr wurde vom Omnibusunternehmen Wissmüller (Michelstadt) durchgeführt. Auf dem dortigen Gelände steht auch die Betriebswerkstatt der VIAS. Laut Auskunft der VIAS und der OREG ist der Ersatzverkehr mit Bussen reibungslos abgewickelt worden. Kleinere Verspätungen konnten - schon aufgrund der üblichen Staus im Berufsverkehr - nicht immer verhindert werden. Beschwerden gab es trotzdem nur wenige.

Stand: 03.07.2010

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