Geschichten von der Odenwaldbahn...

... wäre doch schade, wir hätten sie nicht aufgeschrieben.

Das Darmstädter Echo schreibt: Allein mit der Odenwaldbahn - Familie Kilb lebt in einem einsamen Stationshäuschen
Sabine Richter berichtet im DE vom 28.12.2005 über eine Familie, die allein mit der Odenwaldbahn lebt.

GROSS-UMSTADT. Rauscht die Bahn vorbei, klirren bei Familie Kilb die Gläser im Schrank. Aber das gefällt Jeanette Kilb: Wer – wie sie – in einem einsamen Stationshäuschen an der Bahnlinie zwischen Groß-Umstadt und Wiebelsbach-Heubach wohnt und stundenlang vom Wintergarten aus über die weiten Äcker zum Horizont blicken kann, freut sich über jede Abwechslung. „Das Schärfste ist, wenn die Dampflok hier herschnauft: Da färbt sich schon weit hinten der Himmel schwarz, und wenn sie dann da ist, wackelt‘s ganze Haus", sagt die 46-Jährige und lacht. Dabei hatte sie nichts mit der Bahn zu tun, bevor sie 2003 das Anwesen mit der schönen Adresse „Auswärtige Gebäude 18" kaufte. Sie suchte eher ein Leben in der Natur – und hat es gefunden.

Vor der Türe stehen klobige Stiefel, die im Laden „Wetterfeste Wasserschuhe" genannt werden, und auf dem Weg zum Auto heften sich Matschklumpen an die Sohlen. Der Winter ist hier draußen nicht zimperlich: Stürme rütteln am ganzen Haus, und beim Schritt nach draußen wehen sie den Regen unbarmherzig ins Gesicht, in den Kragen, unter die Jacke. Noch am späten Vormittag hängt der Himmel so grau und tief, dass jeder beleuchtete Eisenbahnwagen wie ein Botschafter des Lichts daher kommt. Da freut man sich auf den Sommer und träumt gern von seinen trocken-heißen Sonnentagen inmitten gelber Getreidefelder, dem Duft von Weizen in jedem Zimmer und dem Grillfeuer im Garten. Freilich bevölkern dann auch Fliegen und Mücken das Haus; vom – vergeblichen – Kampf gegen sie zeugen die Netze an den Fenstern.

Die Kilbs genießen die Freiheit, dass sich nie ein Nachbar beschweren wird, denn den gibt es nicht, keine Straße gekehrt werden muss, Sohn Marcel (16) die Musik so weit aufdrehen darf wie er will und der Hund und die zwei Katzen allein spazieren gehen. „Haben Sie keine Angst?" Nein. Da fühlt sich Jeanette Kilb sicher. Außerdem hat sie ja den Hund.

„Unser Leben spielt sich hauptsächlich im Wintergarten ab, hier essen wir, hier schreibe ich und hier machen die Kinder Hausaufgaben", sagt Jeanette Kilb und blickt durch die Panoramafenster beiläufig auf den modernen Triebwagen, der gerade in Richtung Erbach vorbeihuscht, wie das Schild hinter der Frontscheibe verrät („die Züge hören wir schon gar nicht mehr"). Von der Bahnlinie lässt sie den Blick schweifen – zum leeren Horizont weiter zu den Fliederbüschen im eigenen Garten, die im Frühjahr so schön lila blühen, und zu den alten Obstbäumen, die vielleicht schon von den ersten Bewohnern dieses um 1870 erbauten Bahnhauses gepflanzt worden sind.

Dreht sie sich um, steht sie vor einer meterdicken Sandsteinmauer – so massiv hat die Bahn einst gebaut. Verschiedene Bewohner haben neue Wohnbereiche angestückelt, bis 180 Quadratmeter erreicht waren. Heute präsentiert sich das rot getünchte Wohnzimmer als kleine Halle mit Panoramafenster und Blick weit hinunter ins Tal und den nahen Eidmannshof, auf dem neben vielen anderen Pferden auch die beiden der Familie Kilb leben.

An der Wohnzimmerwand steht ein hübsches altes Büfett, in der Mitte des Raums die polsterige Sitzgruppe mit Tisch, unter dessen Glasplatte ein „Traumfänger" liegt – denn Jeanette Kilb beschäftigt sich mit Schamanismus und gibt unter anderem Seminare wie „Leben in Einklang mit der Natur" oder „Eine Reise zur Ganzheitlichkeit". „Die Seminarteilnehmer sind inspiriert von dieser Freiheit hier draußen", sagt sie, „die stört selbst der Zug nicht".

Außer dem Wohnzimmer und dem Wintergarten gibt es im Erdgeschoss nur noch ein Bad und eine Küche, deren Fenster mitten in die Streuobstwiese blickt. Durch ein kleines Türchen kann Jeanette Kilb die reifen Äpfel direkt ins Haus holen. „Vorsicht, Kopf einziehen", sagt die Hausherrin, während sie im Flur über die Treppe hoch unters Dach steigt. Oben angekommen, läuft man am besten gebückt, um nicht gegen die Dachschräge zu stoßen, zu den drei Schlafzimmern. Neben Jeanette und ihrem Mann Michael (47-jähriger Elektromechaniker) sowie Sohn Marcel, logiert dort auch – im schönsten Giebelzimmer mit Blick auf die eigenen Pferde – Tochter Nathalie (18). Weitere Räume gibt es ganz unten im Haus: Einen Bruchstein-Gewölbekeller und die Tierheilkundepraxis von Jeanette Kilb.

Wieder im gläsernen Wintergarten angekommen, blickt die Bahn-Begeisterte in die Ferne, wo gerade das Signal von „Gelb" auf „Grün" umspringt und den nächsten Zug ankündigt. Niemals, sagt sie, niemals wolle sie mehr hier weg. Noch nicht mal nach Darmstadt sei sie mehr gefahren, seit sie 2003 in dieses Haus gezogen ist. „Die Stadt würde mich verrückt machen, da rast man doch nur von hier nach da." Dass sie dieses Bahnhaus bekommen hat, empfindet Jeanette Kilb als ein Geschenk des Himmels, daran ändern auch die Züge, der Matsch und die Stürme nichts. „Man liebt diese Häuser, sie haben eine Seele." Aber – auch das ist ihr klar – wer so einsam wohnt, der muss auch wirklich so wohnen wollen.

Im Zusammenhang mit dem Artikel oben berichtet das Darmstädter Echo am 28.12.2005 auch über die Geschichte der Streckenwärterhäuser.

Die Bahnstrecke Groß-Umstadt – Wiebelsbach-Heubach ist als Teil der Gesamtverbindung Hanau-Eberbach um das Jahr 1870 gebaut worden. Die so genannten Streckenwärterhäuser entstanden als Teil des gesamten Ensembles. Sie stehen meist einsam an der Bahnlinie und ihre Fassaden richten sich nach den Schienen aus, wo sogar die Balken ihrer Giebel mit Schnitzereien versehen sind.

Außerdem gehören jeweils ein Ziegenstall und ein Garten von bis zu 2000 Quadratmeter Fläche dazu, in Einzelfällen auch ein Brunnen. Das zeigt, dass die Bewohner von einst zwar als Bahnangestellte arbeiteten und regelmäßig die Schienen und Weichen kontrollierten, sich aber zum Teil auch selbst versorgten.

Weitere Informationen/Anmerkung

Anmerkung von Bahnhof Mühltal: Der Teilabschnitt Groß-Umstadt - Wiebelsbach-Heubach der Odenwaldbahn wurde am 27.12.1870 dem Betrieb übergeben.

Juni 2011: Irgendwie logisch...

Zwei Fahrgäste unterhalten sich über das "Late-Night-Shopping" in Darmstadt vom Vortag: "Warst Du da?" - "Nö, wieso? Die Sachen kann ich doch auch alle heute noch kaufen."

01.08.2009 - Die lieben Mitarbeiter

Samstag nachmittag, trotzdem unterhalten sich zwei Brüder in der RB nach Darmstadt über geschäftliche Dinge. Meint der Eine: "Du dem ... müsste man mal richtig in den Arsch treten..."

24.10.2008 - Zickenalarm

Es ist Freitagabend, im Berufsverkehr-SE von Frankfurt zurück in den Odenwald unterhalten sich zwei zickige junge Frauen. Meint die eine zur anderen: "Ich seh` heute wie eine Mutter aus - richtig verbraucht"

05.07.08 - Hochzeitszug auf der Odenwaldbahn

Von Reinheim nach Erbach im Odenwald und wieder zurück ging die Fahrt einer Hochzeitsgesellschaft. Ein absolut umweltfreundliches Vergnügen. Die VIAS hatte hierfür einen zusätzlichen Triebwagen an einen Regelzug der Odenwaldbahn angehängt. Laut Auskunft der VIAS kostet eine Hochzeitsfeier auf Schienen rund 500 Euro. Wer mit der Vias auf die Reise ins Eheleben starten will, erhält weitere Informationen unter 06061/7062630.

12.01.2008 - Erbach: Neunter kulinarisch-literarischer Abend zum Thema Züge

Beim neunten kulinarisch-literarischen Abend der öffentlichen katholischen Bücherei St. Sophia in Erbach gab es ein mehrgängiges Abendessen unter dem Motto "Speisen und Eisenbahn-Flair".

29.09.2006 - Tierischer Schwarzfahrer auf der Odenwaldbahn

Eine Amtshilfe der ungewöhnlichen Art leisteten heute Beamte der Polizeistation Höchst: Die Bahnhofsvorsteherin meldete einen Schwarzfahrer, der in Groß-Umstadt ohne Fahrschein in den Zug eingestiegen war und in Höchst seine Fahrt beendet hatte. Die normalerweise angezeigte Feststellung der Personalien zwecks Einleitung eines Verfahrens wegen Leistungserschleichung, wie es im Juristendeutsch heißt, erwies sich dann aber als recht schwierig, denn bei dem Schwarzfahrer handelte es sich um einen gelben Schäferhund, der völlig ohne Herrchen oder Frauchen seine kleine Reise angetreten hatte. Dieser wurde im Tierheim Würzberg untergebracht. Die Polizei hofft, dass bald eine Vermisstenmeldung für den Hund - vom Tierheim Bronco genannt - eingeht.

Quelle und Text: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Südhessen

Unsere Jugend

  • 29.10.2005 - Mit einem normalen RMV-Fahrschein hat man in der ersten Klasse eigentlich nichts verloren. Teile einer Jugendgruppe lümmelten sich heute trotzdem in der RB 36418 nach Darmstadt auf den Sitzen der ersten Klasse. Für den Betreuer - eindeutig Erwachsen - war das kein Grund zum Eingreifen. Schöne Erziehung...
  • 03.09.2005 - Kurz vor Bad König. Die freundliche Triebfahrzeugführerin sagt den nächsten Bahnhof an. Kommentar eines eben zugestiegenen Jugendlichen: "Ey scheiße, ne Alte fährt..."
  • 17.04.2010, im Spätzug unterhalten sich zwei Jugendliche: "Wo steigst Du aus?" "Traisa." "Das ist doch so`n Spießerkaff, oder?" "Ja, die einzige Coole bin ich..."

Freundlicher Busfahrer am Darmstädter Ostbahnhof

Eine Überraschung erlebten am 16.02.2005 die am Darmstädter Ostbahnhof aussteigenden Fahrgäste der RB nach Darmstadt Hbf. Da der Zug um 06.59 Uhr ankommt und der L-Bus in die Innenstadt um 07.00 abfährt, ist es schwierig ihn zu erreichen. An diesem Morgen war der Bus pünktlich abgefahren. Als der Fahrer die ca. 20 aussteigenden Fahrgäste sah, hielt er - obwohl er die Haltestelle schon verlassen hatte - nochmals an, machte mit Hupen auf sich aufmerksam und wartete bis alle Fahrgäste eingestiegen waren. Dafür ein herzliches Dankeschön!

Stand: 14.06.2011

In Kürze

  • 12.12.09 - Runder Ball

    Ein Fahrgast zum anderen: "Du, die Eintracht aus Frankfurt, das sind doch die mit den blauen Trikots..."

  • 06.09.2008 - Marathon und Bahnübergang

    Der erstmals ausgetragene Darmstadt-Marathon führte auch über den Übergang der Odenwaldbahn im Traisaer Wald. Kam ein Zug, mussten die Läufer kurz anhalten. Die Bundespolizei sicherte den Übergang. Als Entschädigung für die Läufer waren am Bahnübergang Verpflegungsstände aufgebaut.

  • 125 Jahre Odenwaldbahn..

    .. unter diesem Motto standen zwei Fachvorträge in Groß-Umstadt. Arnold Straub und Kurt-Michael Heß stellten informativ die Geschichte der Bahn von den Anfängen bis heute vor.

  • Tier blockiert Gleise

    Ein aus einem Schlachtbetrieb entlaufener Bulle hat am 13.03.06 morgens gegen 07.30 Uhr kurzzeitig die Zugstrecke zwischen Mümling-Grumbach und Höchst blockiert. Eine Regionalbahn hatte durch die Sperrung 20 Minuten Verspätung.

  • ICE-TD auf der Odenwaldbahn

    Völlig überraschend kam am 21.04.2006 ein Dieseltriebwagen der Baureihe 605 auf die Odenwaldbahn. Die Triebwagen dieser Baureihe werden normalerweise im ICE-Verkehr eingesetzt. Der Sonderzug kam aus Wiesbaden und fuhr bis Ober-Ramstadt, wo er gegen 11.20 Uhr ankam. Von dort ging es wieder zurück.

  • Allein mit der Odenwaldbahn

    Lesen Sie mehr über ein Familie, die in einem einsamen Häuschen direkt an der Odenwaldbahn wohnt. mehr...

  • Autofahrer am Bahnübergang

    Groß und stark fühlen sich immer wieder Autofahrer, die mit voller Fahrt über den Übergang rasen, obwohl die Ampel schon Rotlicht zeigt und die Schranken gerade schließen. So beobachtet zum Beispiel am 22.02.06 gegen 16.50 Uhr am Übergang Darmstadt Ostbahnhof und am 10.01.05 gegen 11 Uhr am Übergang in Traisa. Dass man mit solchen Aktionen nicht nur den Zugverkehr, sondern auch sich selbst gefährdet, begreifen diese Menschen offenbar nicht.

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