Kurzzeitiges Fahrradverbot im Berufsverkehr auf der Odenwaldbahn
Ende Mai 2006 verbot die VIAS die Mitnahme von Fahrrädern auf der Odenwaldbahn. Das Verbot sorgte für heftige Diskussionen. Zunächst war seit der Betriebsübernahme der Odenwaldbahn durch die VIAS die Mitnahme grundsätzlich erlaubt gewesen. Nach Beschwerden über nicht ausreichende Sitzplatzkapazitäten in den Zügen verhängte die VIAS ab 28. Mai 2006 ein Verbot der Mitnahme von Fahrrädern im Berufsverkehr. Dies galt auf der gesamten Odenwaldbahn - und auch bei Zügen, die gegen die Lastrichtung fuhren. Nach heftiger Kritik aus der Odenwälder Gastronomie und von Fahrgastverbänden wurde das Verbot zunächst auf dem Südabschnitt der Odenwaldbahn zwischen Erbach und Eberbach aufgehoben. Auf den anderen Abschnitten blieb es bis zum 09. Juli 2007 in Kraft.
Von einem Fahrradverbot auf der Odenwaldbahn ist mittlerweile zum Glück nicht mehr die Rede. Die - im RMV-Gebiet - kostenlose Mitnahme von Fahrrädern in Bussen und Bahnen sorgt aber weiterhin für Diskussionen. Im Oktober 2011 fand deshalb eine Podiumsdiskussion zum Thema statt. Nachfolgend finden Sie eine Chronik zum Fahrradverbot.
Juli 2006: Fahrradverbot im Berufsverkehr sorgt für heftige Kritik
Das bisher nur inoffizielle Verbot der Mitnahme von Fahrrädern im Berufsverkehr offiziell. So schreibt die VIAS in einer Presseerklärung: "Damit alle Fahrgäste der VIAS - auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl - zu jeder Zeit in unseren Bahnen Platz finden, beachten Sie bitte, dass die Fahrradmitnahme leider nur außerhalb der Hauptverkehrszeit möglich ist. Mit Fahrrad können Sie einsteigen in der Zeit von 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr, nach 19:00 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen. Je Einstieg ist die Beförderung von max. 3 Fahrrädern möglich, deshalb verteilen Sie sich bitte auf alle Einstiege."
Inoffiziell bestand das Verbot bereits seit 28. Mai 2006. Allerdings bestand die einzige Information für die Fahrgäste bisher in einer Broschüre "Angenehm und sicher reisen". Durch die nun veröffentlichte Pressemitteilung ist das Verbot sozusagen offiziell geworden. Aus der Odenwälder Gastronomie gab es gegenüber dem Odenwälder Echo heftige Kritik am Fahrradverbot. Diese befürchtet Umsatzeinbußen. Befremdlich war, dass das Fahrradverbot - trotz des geringen Fahrgastaufkommens - zunächst auch auf den Südabschnitt zwischen Erbach und Eberbach galt. Erst nach einer Intervention der OREG wurde es für diesen Teil der Odenwaldbahn aufgehoben. Weiterhin gilt es jedoch auch gegen die Stoßrichtung. Also beispielsweise am Nachmittag in Fahrtrichtung Darmstadt, obwohl hier noch ausreichend Platz für Fahrräder wäre.
Gegenüber dem Odenwälder Echo vom 14.08.2006 haben die Grünen für eine flexible Lösung bei der Fahrradmitnahme plädiert. Der Velo-Ausschluss sei in Zügen, die sich gegen den Pendlerstrom bewegen, also etwa morgens von Darmstadt und Frankfurt in den Odenwald unnötig. Hier werde touristisches Publikum von einem Ausflug abgeschreckt. In Anbetracht dessen schlagen die Grünen vor, dass der Bahnbetreiber Vias im Internet und mit anderen Veröffentlichungen jene wenigen Verbindungen kennzeichnet, bei denen die Fahrradmitnahme tatsächlich Probleme bereitet und deshalb verweigert werden kann. Laut Auskunft der Grünen werde nach ihren Informationen der Erlass zur Aussperrung von Velos zwischen Darmstadt, Frankfurt und Erbach während der Stoßzeiten bisher ohnehin nicht umgesetzt.
Frühjahr 2006: Fahrradmitnahme - VIAS verstärkt drei Züge am Sonntag
Wegen der Vielzahl von Kunden mit Fahrrädern, gibt es für eine befristete Zeit zusätzliche Kapazitäten bei drei Sonntagszügen. Wie die VIAS mitteilt, werden für eine höhere Beförderungskapazität sonntags bis einschließlich 27. August 2006 in Fahrtrichtung Odenwald die Züge 08:38 Uhr ab Darmstadt und 09:25 Uhr ab Frankfurt Hbf. über Darmstadt Nord verstärkt. In der Gegenrichtung werden die Kapazitäten des SE um 18.36 Uhr von Eberbach nach Frankfurt am Main erhöht. Statt mit einem Triebwagen werden die Züge mit zwei Triebwagen (Doppeltraktion) gefahren, wobei der SE nach Frankfurt erst in Erbach verstärkt wird. Laut VIAS sollen die Kunden "bevorzugt diese Verbindungen für Ihren Fahrradausflug in den schönen Odenwald nutzen".
Ein ungewohntes Bild an Sonntagen: VIA 84563 verlässt am 30.07.06 Mühltal als Doppeltraktion
09.07.2007 – VIAS hebt Fahrradverbot auf
Apell an Fahrgäste zu Verantwortungsbewusstsein
Seit Montag, dem 09.07.2007 können Fahrgäste wieder jederzeit ihr Fahrrad auf allen Strecken der Odenwaldbahn mitnehmen. Der private Betreiber VIAS hat das vor mehr als einem Jahr angeordnete Verbot der Mitnahme von Fahrrädern im Berufsverkehr aufgehoben. Dies sei nach zahlreichen Anregungen von Fahrgästen sowie Gesprächen mit den Vertretern der Fahrgastbeiräte und den lokalen Nahverkehrsorganisationen geschehen, schreibt der Bahnbetreiber in einer Pressemitteilung.
Weiterhin bleibt der Platz für Fahrräder in den Itinos jedoch beschränkt. Laut VIAS ist je Triebwagen die Mitnahme von neun Rädern möglich. Dabei sollen drei im Mehrzweckbereich in der Nähe des WC und sechs im hinteren Mehrzweckbereich Platz finden – vorausgesetzt, dort stehen keine Kinderwagen oder etwa Rollstühle. In den Türbereichen will die Vias keine Räder mehr dulden. Letztendlich sei das Zugpersonal berechtigt, die Mitnahme von Rädern zu verweigern, wenn der Platz dafür nicht vorhanden ist. Daher appelliert der Bahnbetreiber auch an die Fahrgäste, mit der neuen Regelung zur Fahrradmitnahme verantwortlich umzugehen.
DADINA-Podiumsdiskussion zur Fahrradmitnahme |
Rund fünfzig Gäste nahmen am Dienstag (18.10.2011) auf Einladung der Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation – DADINA - im Kreishaus Darmstadt an einer rund zweistündigen Podiumsdiskussion zum Thema Fahrradmitnahme in Bussen und Bahnen teil. Die beiden Vorstandsvorsitzenden Kreisbeigeordneter Christel Fleischmann und Stadträtin Brigitte Lindscheid stellten in der Begrüßung klar, dass es ihnen wichtig ist, Lösungsansätze zu finden, die die jetzige Situation in den Fahrzeugen entspannt, jedoch weiterhin eine Mitnahme von Fahrrädern in den Bussen, Straßenbahnen und Bahnen möglich macht. Unter der Moderation von Markus Hirth trugen zunächst die sechs Podiumsteilnehmer ihre Position zur Fahrradmitnahme vor. HEAG mobilo-Geschäftsführer Matthias Kalbfuss schilderte, stellvertretend für die Verkehrsunternehmen im DADINA-Gebiet und aus den Erfahrungsberichten seines Unternehmens, dass es häufig zu Konflikten zwischen den verschiedenen Fahrgastgruppen komme, darunter auch Radfahrer, Personen mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrern oder Fahrgästen mit Rollatoren. Auch würden Fahrzeuge häufig durch die mitgenommen Fahrräder beschädigt und verschmutzt werden. Er plädierte für eine Einschränkung der Mitnahmeregelung. Dagegen trat Jörg Urban vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub dafür ein, dass die Fahrradmitnahme in Zukunft garantiert wird. Für viele wird durch die Kombination von Fahrrad und ÖPNV die tägliche Wegekette vereinfacht und sollte deshalb nicht eingeschränkt werden.
Fahrradmitnahme für viele Verkehrsteilnehmer unerlässlich Rollstuhlfahrer fühlen sich häufig eingeengt und bedrängt Seine täglichen Schwierigkeiten als Rollstuhlfahrer gerade in den Straßenbahnen schilderte dagegen Bernd Meyer, der für die Gruppe der Menschen mit Behinderungen sprach. Er plädierte für eine bessere Beschilderung in den Fahrzeugen. DADINA-Geschäftsführer Matthias Altenhein erläuterte die Mitnahmeregeln für das Publikum. So hat der Rollstuhlfahrer das Recht vor dem Fahrgast mit einem Kinderwagen oder einem Fahrradfahrer mitgenommen zu werden. Laut dem neuen Nahverkehrsplan dürfen, wenn Platz vorhanden ist, in den Bussen zwei Räder und in der Straßenbahn im Triebwagen zwei und im Anhänger bis vier Räder transportiert werden. Altenhein hält die zurzeit gültige Regelung ohne Ausschlusszeiten für richtig und gut, und möchte ein besseres Miteinander der Fahrgäste erreichen. Eine Möglichkeit sieht der Geschäftsführer in einer besseren Informationspolitik. Ähnlich äußerten sich im Anschluss an die Podiumsteilnehmer die Zuschauer. Die meisten Gäste sehen keine Schwierigkeiten bei der Mitnahme eines Fahrrades im Bus oder der Straßenbahn. Vielmehr erleichtere dies den Weg zur Arbeitsstelle oder bei Freizeitaktivitäten. Genauere Angaben über die gültigen Regeln und auch mehr Platz in den Fahrzeugen waren darüber hinaus häufig genannte Wünsche. Als gegen 21.15 Uhr die Diskussion schloss, äußerten sich die beiden DADINA-Vorstandsvorsitzenden Fleischmann und Lindscheid sehr angetan vom harmonischen Verlauf der Diskussion. Die zahlreichen Anregungen für das weitere Vorgehen werden jetzt in kurzfristige und langfristige Maßnahmen unter Berücksichtigung des finanziell machbaren einfließen, versprachen die beiden. Als erstes soll eine Imagekampagne zur Fahrradmitnahme für ein besseres Miteinander werben. Aufgrund des positiven Verlaufs des Meinungsaustauschs zwischen Fachleuten und Publikum wurde von beiden zugesagt, diese Art offener Diskussionsveranstaltungen künftig regelmäßig zu Themen von allgemeinem Interesse zu wiederholen. |
Stand: 12.01.2012