Neuer Zugfunk GSM-R auf der Odenwaldbahn
Funkmasten sorgten für Diskussionen
Bis Oktober 2008 verständigten sich Zugführer, Fahrdienstleiter und Transportleitung der VIAS auf der Odenwaldbahn im wesentlichen mittels Diensttelefon und Handy. Im Zuge der Modernisierung der Strecke wurde ein neuer digitaler Zugfunk in Betrieb genommen. Dieser nennt sich "Global System for Mobile Communication – Rail" (GSM-R, oder auf Deutsch: Telekommunikationsstandard für den Eisenbahnbetrieb). Es ist ein Mobilfunksystem, das auf dem weltweit dominierenden Funkstandard GSM (ein Standard für volldigitale Mobilfunknetze) aufbaut, jedoch für die Verwendung bei der Eisenbahn angepasst wurde. Alleine in Deutschland waren mit Stand September 2007 rund 24.000 Streckenkilometer mit dem System ausgerüstet. Der digitale Zugfunk ermöglicht jetzt einen direkten Telefonkontakt zwischen Fahrdienstleiter und Triebfahrzeugführer auf der Odenwaldbahn.
Alleine zwischen Darmstadt und Wiebelsbach wurden 2007 mindestens sieben neue Funkmasten aufgestellt. Zwischen Wiebelsbach und Eberbach sowie Hanau erfolgte die Aufstellung im Jahr 2008. Die Einführung des neuen Zugfunks erfolgte am 16. Oktober 2008. An diesem Tag wurde auch die Strecke von Wiebelsbach nach Eberbach an das elektronische Stellwerk angeschlossen. Vorher fanden am 09.09. und 10.09.08 Funkmessfahrten für die Abnahme des Zugfunks zwischen Darmstadt und Eberbach statt. In Mühltal steht ein Funkmast im Traisaer Wald direkt am Überweg, ein anderer in der Nähe des Bahnhofs Mühltal. Diskussionen über die Masten gab es in Ober-Ramstadt, Schöllenbach und Kailbach.
Der Funkmast bei Traisa - 09.02.2007
Wenn beim Bauernhof ein Betonmast Platz nimmt |
| Zehn Funkmaste baut DB-Netz, die Streckenführungsabteilung der Bahn, zur Modernisierung der Kommunikation auf der Odenwaldbahn zwischen Hetschbach und Kailbach an die Gleise. An Platz für solche Pfeiler, deren Technik die alten Oberleitungen ersetzt, mangelt es entlang der ländlichen Strecke nicht. Doch für einen der Türme sehen die Pläne ausgerechnet einen Standort in unmittelbarer Nähe eines historisch wertvollen Privatanwesens vor. Dies hat nun die Untere Denkmalpflege beim Bauamt des Odenwaldkreises auf den Plan gerufen. Wie dessen Leiter Erwin Wagner auf Nachfrage bestätigte, hat die Fachstelle die Bahn aufgefordert, von einer Verwirklichung ihrer Bauabsichten an dieser Stelle abzusehen und einen neuen Platz zu suchen. Mit seinem schriftlichen Appell an DB-Netz zieht Wagner die Konsequenz aus dem Status des von den Plänen tangierten Gebäudekomplexes: Der Vierseit-Bauernhof an der Hohenbugstraße 16 im Erbacher Stadtteil Schönnen steht zu weiten Teilen unter Denkmalschutz. Die dafür maßgebliche Denkmaltopografie charakterisiert die Anlage als „Beispiel für die extreme Konservierung lokaler Baugewohnheiten auf dem Lande unter Beibehaltung von großer handwerklicher Sorgfalt“. Vor diesem Hintergrund misst die Schutzverordnung vor allem dem Wohnhaus aus dem Jahr 1898 und dem großen Schweinestall von 1850 herausragende Bedeutung bei. Dazu und zur Wirkung des vorbildlich erhaltenen Gesamtensembles würde nach Überzeugung des Kreisbaudirektors ein benachbarter Betonmast in krassem Widerspruch stehen. „Der Denkmalcharakter würde empfindlich gestört“, fasst Wagner die fachlichen Bedenken zusammen. Doch noch Beistand bekommen hat damit kurz vor dem angekündigten Bautermin der Eigentümer und Bewohner des Vierseithofs, Adolf Bergér, der zuvor monatelang vergeblich nach Einwirkungsmöglichkeiten suchte. Die dabei erlebte Ohnmacht stört den Odenwälder Pensionär dabei schon fast genau so stark wie der drohende Mast in der Nachbarschaft. „Ohne eigene Neugierde und Recherche wüsste ich bis heute noch gar nicht, was mir da in zwölf Meter Abstand zu meinem Bauernhof ins Haus steht“, bringt Bergér sein Problem auf den Punkt. Im Frühling dieses Jahres war dem Altbaufreund aufgefallen, dass die zur Bahnlinie zählende Fläche neben seinem allein stehenden Gehöft ortsfremden Besuch erhielt. Als er sich daraufhin bei einem dort vorfahrenden Männer erkundigte, erhielt er die Auskunft, dass DB-Netz dort den Bau eines Funkmastes vorbereite. Hellhörig geworden, recherchierte Bergér bei verschiedenen Tochterunternehmen der Bahn sowie öffentlichen Stellen – mit für ihn erschreckendem Resultat: Was da etwa zwölf Meter von seinem Gehöft hochgezogen werden soll, ist ein 30 Meter hoher und massiver Betonmast mit Funkanlage und Funktionscontainer. Seit Bergér dies weiß, wehrt er sich gegen die Errichtung des Pfeilers – weil der die Optik seines Anwesens und seine Aussicht stören würde, aber auch vor dem Hintergrund, dass ihm die Strahlenbelastung nicht ganz geheuer ist. Und er beruft sich darauf, dass DB-Netz im Raum Erbach-Süd alternativ genügend Standorte mit der benötigten Reichweite zu den Nachbaranlagen zur Verfügung stünden. Also hat der Hofbesitzer sogar gegen die Baupläne geklagt, ist aber mit seinem Verlangen nach einer einstweiligen Verfügung gescheitert. Nach Lesart des Gerichts reichen die Beeinträchtigungen und Risiken für den Privatmann nicht aus, um in einem Verfahren von öffentlichem Interesse nach bereits abgeschlossener Planungsphase noch einen Baustopp zu rechtfertigen. „Der Knackpunkt dabei ist, dass ich meine Einwände zu einem früheren Zeitpunkt nicht vortragen konnte, weil ich gar nichts von dem Projekt wusste“, kommentiert Bergér. Wie DB-Netz in Frankfurt auf ECHO-Nachfrage betonte, bedürfen Projekte der Bahn auf eigenem Gelände zwar ähnlich wie Straßenbauten einer Planfeststellung. Direkt eingebunden aber werden ausschließlich die Kommunen, auf deren Gemarkungen sich die Maßnahmen erstrecken. So war die Stadt Erbach zwar von den Vorhaben in ihrem Einzugsgebiet informiert, bezog ihr Mitwirkungsrecht aber allein auf öffentliche Flächen. Analog dazu nahm auch das Kreisbauamt ausschließlich zu den im Verfahren direkt angesprochenen öffentlichen Objekten Stellung: „Hier ging es vor allem um den Denkmalcharakter der Tunneleingänge, wo auch eine Freihhaltung erreicht wurde“, erklärt Baudirektor Wagner dazu. Vom Eigentümer des Vierseithofs auf den dort ebenfalls bestehenden Konflikt zwischen Bauabsicht und Denkmalschutz aufmerksam gemacht, will der Behördenchef dies nun aber noch bei der Bautätigkeit berücksichtigt sehen. |
Funkmast bei Schöllenbach wird versetzt
Wie das Odenwälder Echo am 05.01.2008 berichtet, bekommt der Funkmast bei Schöllenbach einen neuen Standort. Aufgrund der Beschwerde eines Anwohners hatte das Kreisbauamt beim Eisenbahn-Bundesamt erfolgreich interveniert. Der Anwohner hatte sich nicht nur an das Odenwälder Echo - siehe Artikel oben - gewandt, sondern auch an den Hessischen Rundfunk. Ein Gerichtsverfahren gegen den Mast war übrigens erfolglos geblieben.
Diskussionen auch in Hesseneck und Ober-Ramstadt
Bereits im September 2006 forderten die Gemeindevertreter von Hesseneck die Verlegung eines geplanten Mastes bei Kailbach. Die Mandatsträger sprachen sich für einen Standort 500 Meter außerhalb des Ortes aus. Auch in Ober-Ramstadt gab es Gesprächsbedarf. Wie Bürgermeister Schuchmann gegenüber dem Darmstädter Echo sagte, konnte die Stadt den Funkmast am Bahnübergang Ammerbachstraße aber nicht verhindern. Laut Auskunft der DB Netz sind beim Betrieb Umweltverträglichkeit und der Schutz vor elektromagnetischen Feldern sichergestellt. Mittlerweile ist der Zugfunk seit über einem Jahr auf der gesamten Strcke in Betrieb. Beschwerden von Bürgern gibt es keine mehr.
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Stand: 08.01.2010