Güterverkehr: Seit 03.12.09 wird wieder Schotter von Groß-Bieberau abgefahren - DB Schenker bedient den Bahnhof Ober-Ramstadt
Ab 1999 erfolgte auf der Odenwaldbahn die Einstellung des Güterverkehrs. Schuld war das Programm "Mora-C" der Bahn. Völlig unberücksichtigt blieb dabei, dass auf der Odenwaldbahn ein doch recht stattlicher Güterverkehr durchgeführt wurde. Zunächst wurden die Bahnhöfe Michelstadt, Höchst und Darmstadt Ost geschlossen. Im Jahr 2001 folgten dann die Bahnhöfe Ober-Ramstadt und Reinheim. 2003 konnte der Schotterverkehr nach Groß-Bieberau durch die Westfälische Almetalbahn (WAB) kurzzeitig wiederbelebt werden. Von Ende 2003 bis Dezember 2009 gab es keinen Güterverkehr auf der Odenwaldbahn. (Ausnahme: Güterverkehr, zur Modernisierung der Strecke.) Die einstmals letzten Kunden - die Odenwälder Hartsteinindustrie in Groß-Bieberau (OHI) und die Caparol Werke in Ober-Ramstadt wickelten ihren gesamten Frachtverkehr gezwungenermaßen über die Straße ab. Vor allem die Anwohner in Groß-Bieberau klagen über Lärm und Staub durch den LKW-Verkehr.
Bei den Bahnhöfen Darmstadt Ost, Höchst und Michelstadt wurde im Rahmen der Modernisierung die Infrastruktur so zurückgebaut, dass keine Güterverladung mehr möglich ist. Ende des Jahres 2005 konnte dagegen in Reinheim und Ober-Ramstadt zumindest die für etwaigen Güterverkehr notwendige Infrastruktur (Erhalt zweier Weichen und deren Anschluss an das neue Elektronische Stellwerk gesichert werden. Gegenüber dem Darmstädter Echo vom 28.01.2006 zeigte man sich zuversichtlich, dass in naher Zukunft wieder Güterzüge von und nach Groß-Bieberau fahren. Der Erhalt der Weiche biete die Grundlage für die laufenden Gespräche über den Schottertransport. Bis Ende November 2009 tat sich nicht viel. Am 03.12.2009 war dann der erste Schotterzug von Groß-Bieberau nach Darmstadt unterwegs. Allerdings soll nur ein kleiner Teil des Schotters der OHI auf der Schiene transportiert werden. Im Februar 2010 wurde dann völlig überraschend der Anschluss der Fa. Caparol in Ober-Ramstadt mit vier Güterwagen bedient. Nachfolgend finden Sie eine Chronik der Ereignisse rund um den Versuch, Güterverkehr umweltfreundlich auf der Schiene zu betreiben.
November 2005: Weichen in Ober-Ramstadt und Reinheim bleiben erhalten
Die Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation (Dadina) hat erreicht, dass zwei für etwaigen Güterverkehr notwendige Weichen in den Bahnhöfen Ober-Ramstadt und Reinheim im Rahmen des Anschlusses der Strecke an das elektronsiche Stellwerk erhalten geblieben sind. Das Bahntochterunternehmen DB Netz wollte die Weichen im Zuge der Modernisierung der Odenwaldbahn entfernen, wenn niemand für die Kosten aufkommt.
Die eine Weiche stellt in Ober-Ramstadt die Bahnverbindung zu Caparol her. Wenn es zum Abbau der Weiche gekommen wäre, hätte dies das endgültige Aus für die Transporte auf der Schiene bedeutet, so Klaus Ramsauer, Logistik-Chef bei Caparol, im Gespräch mit dem Darmstädter Echo: „Wenn die Weiche weg ist, ist Schluss." Die Dadina hatte mit Caparol und der Stadt Ober-Ramstadt verhandelt, um die dortige Weiche zu sichern. Mit Erfolg. Denn Caparol erklärte sich zu einer Beteiligung an den entstehenden Kosten bereit.
2001 wurden hier die letzten Güterwagen abgefahren.
Das Anschlußgleis der Fa. Caparol im Bahnhof Ober-Ramstadt
Die andere Weiche stellt in Reinheim den Anschluss an das Gleis nach Groß-Bieberau her.
Bahnhof Reinheim - Strecke Reinheim-Groß-Bieberau
In seiner Sitzung am 07.11.2005 hatte sich das Groß-Bieberauer Stadtparlament für den Erhalt der vier Kilometer langen Eisenbahnstrecke zwischen Reinheim und Groß-Bieberau ausgesprochen. Die Stadtverordneten verabschiedeten einstimmig eine Vereinbarung zwischen Stadt, Groß-Bieberau-Reinheimer Eisenbahngesellschaft (GBRE) und Dadina. Mit diesem Eisenbahn-Infrastrukturanschlussvertrag wird die weitere Befahrbarkeit der Strecke für zehn Jahre gesichert und die Verteilung der dadurch entstehenden Kosten wird geregelt. Außerdem bleibt die Strecke in Reinheim an die Odenwaldbahn und damit an das Schienennetz der DB angeschlossen. Die DB Netz war zum Erhalt der Anschlussweiche nur bereit, wenn die GBRE die jährlichen Kosten von rund 9.900,-- € zahlt.
Bei der Groß-Bieberauer Eisenbahngesellschaft handelt es sich um eine Tochter der Odenwälder Hartsteinwerke (OHI), die bis zum Winter 2003 auf diesem Streckenabschnitt den Güterverkehr betrieben hat. Da die OHI die Kosten und das finanzielle Risiko nicht alleine tragen wollte, treten jetzt die DADINA und die Stadt zusammen mit der GBRE als Partner auf.
Die entsprechenden Verträge für die Weiche in Ober-Ramstadt sowie die Weiche in Reinheim und die Anlagen in Groß-Bieberau wurden am Freitag (27.01.2006) in Ober-Ramstadt zwischen allen Beteiligten unterschrieben. Dabei handelt es sich um einen Kooperationsvertrag und um einen sogenannten Infrastrukturvertrag.
November 2005: Provinzposse im Reinheimer Stadtparlament
Im Zusammenhang mit der Unterzeichnung der Verträge zum Erhalt der Weiche im Bahnhof Reinheim kam es zu einer peinlichen Provinzposse im Stadtparlament von Reinheim. Die Stadtverordneten lehnten mehrheitlich eine finanzielle Beteiligung der Stadt an den Verträgen ab. Dies, obwohl die Stadt vom LKW-Verkehr aus Groß-Bieberau entlastet werden würde, wenn die OHI ihre Transporte wieder über die Schiene abwickeln würde.
Abenteuerliche Begründung hierfür: Dann sei die Bahnschranke in Reinheim zu oft geschlossen. Aus dem gleichen Grund wurde vom Stadtparlament mehrheitlich auch die Wiedereröffnung einer Güterverladestelle am Reinheimer Bahnhof abgelehnt...
In diesem Zusammenhang: Geschichte - Das Odenwälder Lieschen
Nur am Rande: Wäre die Weiche in Reinheim endgültig entfernt worden, dann wären wahrscheinlich auch die Schienen zwischen Reinheim und Groß-Bieberau der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Die letzten Erinnerungen an das legendäre Odenwälder Lieschen - welches einst zwischen Reinheim und Reichelsheim pendelte und 1964 der Erweiterung der Bundesstraße zum Opfer fiel - wären dann vernichtet worden. Dem autofreundlichen Reinheimer Stadtparlament wäre auch dies mit ziemlicher Sicherheit egal gewesen.
Anfang 2006: Wie geht es weiter?
Mit den geschlossenen Verträgen ist keineswegs sichergestellt, dass es wieder Güterverkehr ab dem Bahnhof Ober-Ramstadt bzw. zwischen Groß-Bieberau und Reinheim gibt. Die Vereinbarungen dienen lediglich dem Erhalt der Infrastruktur und dem Anschluss an das Streckennetz. Gegenüber dem Darmstädter Echo vom 28.01.2006 zeigte sich der Geschäftsführer der GBRE Achim Dahm zuversichtlich, dass in naher Zukunft wieder Güterzüge fahren. Der Erhalt der Weiche biete die Grundlage für die laufenden Gespräche über den Schottertransport.
Anfang 2006: Holz auf der Schiene?
Es werden Überlegungen des Landesbetriebes Hessen Forst bekannt, das aus dem Odenwald kommende Stammholz in Groß-Bieberau auf die Schiene zu verladen. Laut dem Geschäftsführer der GBRE Dahm werde auch für Holz der Güterverkehr auf der Schiene wieder spannend.
2007: Trotz Feinstaubdebatte kein Fortschritt
Heftig wird in der Stadt Darmstadt und im Landkreis Darmstadt-Dieburg über die Belastung durch Feinstaub und etwaige LKW-Fahrverbote diskutiert. Insofern könnte man meinen, dass die Chancen für den Güterverkehr auf der Odenwaldbahn vielleicht doch nicht so schlecht stehen. Es tut sich aber das ganze Jahr nichts. Stattdessen wird auf Druck der Landräte Darmstadt-Dieburg und Odenwald das geplante LKW-Fahrverbot in Darmstadt aufgeweicht.
Seit August 2009: Ausbauarbeiten zwischen Reinheim und Groß-Bieberau
Damit die Strecke wieder in Betrieb genommen werden kann, werden seitens der DB Netz neue Schwellen und Gleisteile eingebaut. Hintergrund der Arbeiten ist nicht nur die Wiederaufnahme des Güterverkehrs, sondern auch die geplanten Sonderfahrten zwischen Reinheim und Groß-Bieberau anlässlich des Freifahrttages auf der Odenwaldbahn im September 2009.
Oktober 2009: OHI/GBRE will Betrieb der Bahnstrecke - Auflagen verzögern Inbetriebnahme
„Das dümpelt vor sich hin“, sagte der Groß-Bieberauer Bürgermeister Edgar Buchwald dem Darmstäder Echo zur Instandsetzung der Verladeanlage der OHI am Bahnhof Groß-Bieberau. Von Seiten der Bahn kämen immer wieder neue Auflagen, die die Inbetriebnahme verzögerten. Ein Transport des Schotters aus dem Steinbruch der OHI werde aber die Lkw-Frequenz in der Stadt nicht verringern, so Buchwald weiter. Denn an der Verladestation soll ausschließlich Gleisbauschotter in Waggons umgeladen werden. Dieser soll dann über die Schiene von Groß-Bieberau über Reinheim direkt nach Darmstadt gefahren werden. Die Betriebserlaubnis der OHI gilt übrigens nicht nur für Gleisschotter, sondern es sei auch andere Fracht denkbar.
03.12.2009: Erster Schotterzug unterwegs
Nach Inbetriebnahme der Verladestation war es dann am 03.12.2009 soweit: Der erste Schotterzug war von Groß-Bieberau über Reinheim nach Darmstadt unterwegs. Am 14.12.2009 wurde dann erneut Schotter verladen und abgefahren. Zum Einsatz kam die V62 der Darmstädter Kreiseisenbahn (DKE) mit einem (!) Fac-Wagen.
Bilder gibt es bei drehscheibe-online
Ober-Ramstadt wird wieder im Güterverkehr bedient
DB Schenker Rail Deutschland bediente nach über 8 Jahren wieder den Bf. Ober Ramstadt (Anschluss Caparol). Am 24.02.2010 wurden vier Hbis bereitgestellt, wovon wegen einer störenden Leitplanke am Anschlussgleis zunächst nur zwei beladen werden konnten. Die bereits Beladenen wurden am 25.02.2010 abgeholt, die anderen dann am 26.02.2010. Angeblich handelt es sich zunächst um eine Testzustellung. Weitere Fahrten erfolgten am 26. und 28.05.2010 und Mitte Juni 2010. Auch Anfang Juli 2010 wurde der Anschluss wieder bedient. Die Wagen werden nach Darmstadt gebracht, um im Regelfall von dort ins italienische Desio transportiert zu werden.
Zum 01.09.2010 wurde Ober-Ramstadt dann als Ladestelle von DB Schenker (Rail) wieder aufgenommen. Seit Oktober 2010 wurde der Anschluss Caparol dann ziemlich regelmäßig bedient. Nach Fahrplan 2010 wurden in der Regel Montags die leeren Wagen nach Ober-Ramstadt gebracht und Mittwochs beladen wieder abgeholt. In 2011 findet die Bedienung leider wesentlich unregelmäßiger statt. So gab es nur Bedienungen am 07./09.02., sowie 18./20.04., 26./27.04. sowie am 10./13.05.2011.
Am 07.07.2010 wartet ein Güterwagen am Anschluss der Fa. Caparol in Ober-Ramstadt.
Weitere Informationen
Stand: 19.07.2011