Januar 2006: RMV lehnt Kauf zusätzlicher Triebwagen ab
Umverteilung der Itinos ab Anfang Februar
Stellt der Odenwälder Landrat Forderungen an sich selbst?
Berichte aus Januar und Februar 2006
Im Januar 2006 hält die Diskussion über die Kapazitäten der Odenwaldbahn an. Am 09.01.2006 beobachtete die Frankfurter Rundschau am Ober-Ramstädter Bahnhof die Situation im morgendlichen Berufsverkehr. Fahrgäste aus Ober-Ramstadt beklagten sich gegenüber der FR über volle Züge. Ein nach Darmstadt fahrender Pendler erklärte gegenüber der Zeitung, dass der Zug (Berufsschüler-RB, 07.19 Uhr ab Ober-Ramstadt) voll gewesen sei. Er hält die Schönrederei der Verantwortlichen für unglücklich: Es sind einfach zu wenig Züge im Einsatz, das sollten die Verantwortlichen zugeben, sagt er. Viele Reisende seien genervt.
Der Leiter des Regionalnetzes Odenwald der Deutschen Bahn, Frank Schüler, war ebenfalls am Bahnhof zugegen. Er schätzte, dass rund 40 Fahrgäste von Ober-Ramstadt aus bis Darmstadt oder Frankfurt Hauptbahnhof auf ihr gemütliches Plätzchen zum Zeitung lesen oder Dösen verzichten müssen. Dabei wurde geflissentlich übersehen, dass bei nach Darmstadt fahrenden Zügen auch in Mühltal noch Fahrgäste zusteigen. Fährt der Zug direkt nach Frankfurt, steigen zusätzlich auch in Darmstadt Ost und Darmstadt Nord noch jede Menge Fahrgäste zu.
Merck-Beschäftigte geben Job-Tickets zurück
Das dichte Gedränge auf der Odenwaldbahn kennt auch Jens Freiling. Er ist bei der Firma Merck Projektleiter für das Job-Ticket des Darmstädter Pharma-Konzerns. Wie Freiling gegenüber der Frankfurter Rundschau sagte, wird das Ticket von rund zweieinhalbtausend Mitarbeitern genutzt. Rund 600 von ihnen kommen aus dem Odenwald. Auf seinem Schreibtisch häufen sich die Beschwerden. So haben schon 25 Mitarbeiter auf das teuer finanzierte günstige Job-Ticket freiwillig verzichtet. Begründung: Die Odenwaldbahn sei katastrophal.
Freiling macht am Montagmorgen eine Testfahrt im Sardino, wie er die Itino-Züge scherzhaft nennt. Proppenvoll, lautet seine Aussage. Für ihn ist klar: Es kann nur Abhilfe geschaffen werden, wenn der RMV Waggons anmietet. Die Rechnung, die die VIAS aufgrund vier Jahre alter Fahrgastzählungen des RMV gemacht habe, mit 22 Triebwagen auszukommen, gehe nicht auf. Die Warnungen, dass die Odenwaldbahn stärker frequentiert wird, seien nicht ernst genommen worden, so Freiling gegenüber der Rundschau.
Dritter Triebwagen im Berufsverkehr?
RMV-Sprecher Peter Vollmer, der volle Züge für normal im Rhein-Main-Gebiet hält, sprach gegenüber der Frankfurter Rundschau von einer Kapazitätserhöhung durch das Anhängen eines dritten Triebwagens in den Stoßzeiten. Dabei hat der RMV geflissentlich übersehen, dass ein Teil der Züge im Berufsverkehr nur aus einem (!) Triebwagen bestehen. Gerade diese Züge sorgen jedoch für Beschwerden bei den Fahrgästen. Immerhin ist jetzt auch das Ausleihen von Zügen des VIAS-Gesellschafters Rurtalbahn im Gespräch.
16.45 Uhr am Ostbahnhof – VIAS Stadtexpress nach Eberbach
Ein ganz normaler Werktag im Berufsverkehr
Dienstag, 17.01.2006, 16.45 Uhr am Ostbahnhof Darmstadt. Ein ganz normaler Nachmittag im Berufsverkehr nach dem Ende der Schulferien. Von der nahen Bundesstraße hört man den Verkehrslärm und die Abgasschwaden der Autos ziehen über den Bahnhof. Auf dem Bahnsteig warten rund 35 bis 45 Fahrgäste auf den SE nach Eberbach. Pünktlich schließt die Fahrdienstleiterin die Vollschranken und stellt das Ausfahrtsignal Richtung Odenwald auf Grün.
Kurze Zeit später fährt der aus zwei ITINOS bestehende voll besetzte SE Frankfurt – Eberbach ein. Während rund 20 Fahrgäste aussteigen, drängen die wartenden Fahrgäste in den Zug und die übliche „Rangelei" um die praktisch nicht vorhandenen Sitzplätze beginnt. Die meisten Fahrgäste müssen im Eingangsbereich mit einem Stehplatz vorlieb nehmen. Da - wie eigentlich immer – mehrere Fahrgäste noch ihr Fahrrad dabei haben, wird es richtig eng im Stehplatzbereich. Nicht jeder findet eine Möglichkeit zum festhalten. Freude kommt auf, wenn irgendwelche Zeitgenossen auf der Suche nach einem nicht vorhandenen Sitzplatz durch den ganzen Triebwagen laufen.
Pünktlich um 16.49 Uhr geht es noch voller mit müden Pendlern und stehenden Odenwäldern weiter Richtung Eberbach. Die Fahrgäste, die am nächsten Halt in Mühltal aussteigen wollen, schieben sich durch die Massen und die abgestellten Fahrräder zur Tür. Wer in Mühltal zusteigt, kann die Hoffnung auf einen Sitzplatz gleich ganz vergessen. Natürlich kamen sowohl am Ostbahnhof als auch in Mühltal alle Fahrgäste mit. Nur fragt man sich, muss das Gedränge wirklich sein? Warum sind die Verantwortlichen nicht in der Lage für ausreichende Kapazitäten zu sorgen? Warum müssen Pendler über 30 Minuten von Frankfurt bis Mühltal stehen? Was soll eigentlich im Sommer werden, wenn noch mehr Fahrgäste ihr Fahrrad mitnehmen?
Autofahrer wird man so nicht zum Umsteigen auf die Odenwaldbahn bewegen können. Und laut Auskunft der Fa. Merck haben schon 25 Mitarbeiter ihr günstiges Job-Ticket aus Ärger über die Odenwaldbahn (siehe Bericht oben) zurückgegeben. Ein echter Geschäftsmann würde jetzt hellhörig werden, denn zurückgegebene Job-Tickets bedeuten auch weniger Einnahmen. Doch öffentlicher Nahverkehr wird aus Steuergeldern bezahlt und die fließen immer. So können es sich die Verantwortlichen einfach machen. RMV-Sprecher Vollmer hält volle Züge im Rhein-Main-Gebiet für normal. Für die DADINA ist es einfach eine stark nachgefragte Verbindung. Und so wird es vorerst bei dem Gedränge bleiben, an einem ganz normalen Werktag im Berufsverkehr auf der Odenwaldbahn.
21.01.2006: Landrat Schnur spricht von "quetschvollen" Zügen
Erneutes Treffen mit dem RMV geplant
Auf der Jahresversammlung der Interessengemeinschaft Odenwald in Ober-Ramstadt hat der Odenwälder Landrat Schnur die Züge der Odenwaldbahn als quetschvoll bezeichnet. Gleichzeitig kündigte er eine Fahrgastzählung an. Zudem solle "nicht optimales" verbessert werden. Unterdessen wurde bekannt, dass es Ende Januar erneut ein Gespräch zwischen dem RMV und den Verantwortlichen über die Odenwaldbahn geben soll. Wie Landrat Alfred Jakoubek (Kreis Darmstadt-Dieburg) ankündigte, hat er sich mit dem Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes verabredet, um auf der Datenbasis der Fahrgastzählung die erforderlichen Konsequenzen zu beraten.
26.01.2006: RMV gibt Probleme zu - Einige Züge erhalten größere Kapazität
Im Berufsverkehr droht Fahrradverbot
Für seine Verhältnisse überraschend schnell hat der RMV auf die massiven Kundenbeschwerden über die Kapazität des ITINO reagiert. Nachdem die durchgeführte Fahrgastzählung - wie nicht anders zu erwarten war - die meisten Beschwerden bestätigt hat, sollen einige Züge ab 06.02.2006 verstärkt werden. Allerdings kommen keine zusätzlichen Triebwagen zum Einsatz, sondern die Itinos werden anders verteilt. So werden Züge von der Linie 64 (Hanauer Ast der Odenwaldbahn) abgezogen und kommen auf der Linie 65 zum Einsatz. Dies dürfte für neue Beschwerden sorgen. Auch können nicht alle problematischen Züge verstärkt werden.
Im einzelnen werden verstärkt:
- Der StadtExpress von Eberbach (ab 06.37 Uhr) nach Frankfurt über Ober-Ramstadt (08.00 Uhr) und Darmstadt Nord wird ab Wiebelsbach-Heubach künftig mit zwei Itinos (Doppeltraktion) nach Frankfurt gefahren.
- Der RegionalExpress um 16:05 Uhr ab Darmstadt fährt künftig bis Erbach mit zwei Itinos und wird nicht wie bisher in Wiebelsbach-Heubach entkoppelt.
- Der StadtExpress von Frankfurt über Darmstadt Nord nach Eberbach (16:25 Uhr ab Frankfurt) wird künftig mit drei (!) Itinos bis Wiebelsbach-Heubach und mit zwei Itinos bis Erbach gefahren
- Ebenso verstärkt wird der StadtExpress 18:25 Uhr ab Frankfurt, der künftig als Doppeltraktion bis Wiebelsbach-Heubach gefahren wird.
Laut Auskunft des RMV werde mit diesen Verstärkungen wird das Sitzplatzangebot zur Hauptverkehrszeit deutlich erweitert. Die Verstärkungen gehen allerdings zu Lasten des Angebotes auf der Linie 64 Frankfurt - Hanau - Wiebelsbach. So werden die RB um 07.08 Uhr von Wiebelsbach nach Frankfurt Süd und der RE um 18.38 Uhr von Frankfurt über Hanau nach Wiebelsbach nur noch mit einem Triebwagen gefahren. Während der RE nur schwach besetzt ist, wird die Kürzung auf einen Itino bei der RB nach Frankfurt für neue Beschwerden sorgen.
Keine Lösung gibt es zunächst für den SE von Erbach mit Ankunft 06.26 Uhr in Frankfurt am Main und die RegionalBahn um 6:26 Uhr ab Erbach, die insbesondere zwischen Reinheim und Darmstadt-Nord eine hohe Auslastung aufweist. Zwar räumt der RMV eine hohe Auslastung ein, es könne jedoch nur mittelfristig Abhilfe geschaffen werden. Auch für die morgendliche Schüler-RB nach Erbach gibt es derzeit keine Lösung.
Wie die "mittelfristige Abhilfe" aussehen soll, bleibt völlig unklar. Gegenüber dem Darmstädter Echo hat der RMV nochmals ausdrücklich bestätigt, dass keine neuen Triebwagen angeschafft werden. Somit wird es bei bestimmten Verbindungen weiterhin eng zugehen und schon der Ausfall nur eines Triebwagen wird - wie am 25.01.2006 morgens geschehen - für chaotische Zustände sorgen. Laut Auskunft des RMV wurde bei der Fahrgastzählung festgestellt, dass bei den Zählungen an den maßgebenden Querschnitten vor Darmstadt-Ost und Hanau bereits 6 Wochen nach der Betriebsaufnahme der neuen Odenwaldbahn ein Fahrgastzuwachs in der Größenordnung von 20 bis 30 % zu verzeichnen ist.
Reaktionen
Bündnis 90/Die Grünen werten die Ankündigung des RMV als positive Überraschung. Man hoffe, dass der RMV dem Andrang der Fahrgäste gerecht wird und so eine Alternative zum Autoverkehr vom Odenwald in das Rhein-Main Gebiet geschaffen wird. Pro Bahn kritisierte dagegen die Umverteilung. Auf Verbindungen, die aktuell wenig frequentiert seien, könnten jederzeit mehr Fahrgäste fahren. Im Sommer seien überfüllte Triebwagen wahrscheinlich, wenn Pendler mehr Fahrräder mitnehmen. Um die Passagiere bei Laune zu halten, müsse der RMV zusätzliche Wagen anschaffen.
RMV und VIAS wollen Fahrradmitnahme teilweise verbieten
Gegenüber dem Darmstädter Echo bestätigte die VIAS Pläne, wonach die Fahrradmitnahme in der Odenwaldbahn zu Hauptverkehrszeiten grundsätzlich untersagt werden soll. Dies geschehe vor dem Hintergrund des Bedarfs nach mehr Platz für Fahrgäste. Die Überlegungen der VIAS werden auf Seiten der Radfahrer als unangemessene Service-Einschränkung empfunden. – Und zwar nicht nur von Ausflugsgästen, sondern auch von Pendlern, die sich bis zum Zug und nach dessen Verlassen mit dem Velo fortbewegen wollen.
09.02.2006 - Neues Fahrgefühl im Berufsverkehr
Ein völlig neues Fahrgefühl erleben seit Montag die Fahrgäste einiger Züge auf der Linie 65 der Odenwaldbahn. So beispielsweise im SE von Frankfurt (16.25 Uhr) über Darmstadt Nord nach Eberbach. Bisher wurde der Zug mit zwei ITINOS gefahren, von denen einer noch in Wiebelsbach abgehängt wurde. Die Folge: Gedränge im Eingangsbereich und Stehplatzzwang spätestens ab Darmstadt Ost. Im Zuge der „Umverteilung" der ITINOS wird der Zug jetzt mit drei Triebwagen bis Wiebelsbach und mit zwei Triebwagen bis Erbach gefahren. Selbst in Darmstadt Ost besteht jetzt die Möglichkeit auf einen Sitzplatz und auch für Fahrräder oder Kinderwagen ist genügend Platz.
Für die Fahrgäste anderer Züge wird sich die Situation hinsichtlich der Kapazität dagegen in absehbarer Zeit nicht verbessern. Denn gegenüber dem Odenwälder Kreistag lehnte der RMV den Kauf zusätzlicher Itino-Triebwagen – wie das Odenwälder Echo berichtet - für die Odenwaldbahn ab. Bei 3,5 Millionen Euro Anschaffungs- und jährlich 200 000 Euro Betriebskosten sei dies ausgeschlossen. Also werden die Kapazitätsprobleme auf der Linie 65 bei bestimmten Fahrten bleiben. Weiterhin wird der erste SE am frühen Morgen nach Frankfurt (an 06.26 Uhr) eine Sardinenbüchse bleiben, da er auch in Zukunft nur mit einem ITINO gefahren wird.
Schon zu Zeiten der DB Regio gab es übrigens um diese Uhrzeit Kapazitätsprobleme. So wurde die Regionalbahn von Erbach nach Darmstadt (an 06.22 Uhr) mit nur einem VT 628 Triebwagen bedient. Damals gab es spätestens ab Ober-Ramstadt nur Stehplätze. Nun fährt der vergleichbare VIAS-SE direkt nach Frankfurt, ein Umstand der für zusätzliche Fahrgäste gesorgt hat. Anstelle dieses zu berücksichtigen, wurden seitens des RMV und der VIAS die Kapazitäten reduziert. Denn der damals fahrende VT 628 hat eine höhere Kapazität als der derzeit verkehrende einzelne ITINO.
Auch in der Berufsschüler-RB von Erbach nach Darmstadt wird es ab Reinheim weiterhin eng zugehen. Die vom RMV für beide Züge versprochene mittelfristige Lösung wird es nicht geben. Da keine neue Triebwagen beschafft werden, bleibt es beim derzeitigen unbefriedigenden Zustand.
Das Schweigen der Verantwortlichen zur Schüler-RB nach Erbach
Vor einigen Wochen berichtete das Odenwälder Echo über Beschwerden von Eltern über Fahrplan und Kapazität der morgendlichen Schüler-RB nach Erbach. Gegenüber der Zeitung räumte die OREG damals ein, dass die Kapazität des Zuges (zwei Itinos) unbefriedigend sei. Seitdem herrschte Funkstille. Nunmehr ist klar, dass der mangelhafte Zustand bleiben wird. Da der RMV sich weigert, neue Triebwagen zu beschaffen, wird der Zug auch in Zukunft mit nur zwei Triebwagen unterwegs sein.
Eine Problemlösung nach Art des RMV. Der Zug wird ja fast ausschließlich von Schülern benutzt und die können ja stehen. Und dafür müssen sie nicht nur früher aus dem Haus, sondern der überfüllte Zug steht jeden Morgen auch noch fahrplanmäßig fast 20 Minuten (!) im Bahnhof Bad König. Die örtlichen Verantwortlichen schweigen lieber, anstelle beim RMV auf den Einsatz zusätzlicher Triebwagen zu drängen. Unter solchen Umständen ziehen die Schüler - sobald sie 18 sind – natürlich sofort das Auto und die B 45 der Odenwaldbahn vor...
22.02.2006 - Odenwälder Landrat fordert zusätzliche ITINOS
Stellt der Landrat Forderungen an sich selbst?
Ungeachtet der Ablehnung durch den RMV fordern der Odenwälder Landrat Schnur und der Vorsitzende des Fahrgastbeirates der DADINA zusätzliche Triebwagen für die Odenwaldbahn.
Wie das Odenwälder Echo berichtet, nimmt Landrat Horst Schnur die zahlreichen Beschwerden über verschiedene Missstände bei der neuen Odenwaldbahn noch einmal zum Anlass, die Situation gegenüber dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) eingehend zu schildern. Er verbindet damit auch Forderungen nach Verbesserungen bei Kapazitäten und Betriebsreserven, wie aus einem Brief an Sprecher der RMV-Geschäftsführung, Volker Sparmann, hervorgeht. Rückblickend auf die Februar-Sitzung des Odenwälder Kreistags unterstreicht Schnur in seinem Schreiben „erhebliche Zweifel, ob sich die fachliche Beurteilung der Betriebsqualität mit der öffentlichen Wahrnehmung deckt".
Fragen um die bereitgestellten Fahrzeugkapazitäten zögen sich wie ein roter Faden durch alle Beschwerden. Sie bereite, wie der Landrat mit Nachdruck anmerkt, der Vias GmbH erhebliche betriebliche Probleme und sei auch oft die Ursache für die immer wieder monierten Verspätungen. Schnur nennt die Reserve von einem Schienenfahrzeug „entschieden zu wenig". Jeder Fahrzeugausfall schlage somit direkt auf die planmäßigen Kapazitäten durch. Dies habe bereits dazu geführt, dass Fahrgäste am Bahnsteig zurückblieben, die dann auf den nächsten planmäßigen Zug verwiesen werden mussten. Der Landrat bittet den RMV, schnellstmöglich von der Option weiterer Fahrzeuge Gebrauch zu machen. Denn auch längerfristig müssten immer wieder Fahrzeuge aus dem Regelbetrieb herausgenommen werden, zum Beispiel für Wartungsintervalle.
Zu berücksichtigen sei außerdem, dass es laut Zählung in der dritten Kalenderwoche dieses Jahres bei bestimmten Zuglagen in und aus Richtung Darmstadt/Frankfurt hohe Fahrgastzahlen gibt, die in Volksmund und Presseberichten den Begriff des „Sardino" prägen.
Auch DADINA Fahrgastbeirat fordert zusätzliche Itinos
In der Frankfurter Rundschau vom 17.02.2006 forderte auch Bernd Rohrmann (Vorsitzender des Fahrgastbeirates der DADINA) zusätzliche Triebwagen für die Odenwaldbahn. Ein Reservezug sei eindeutig zu wenig. Rohrmann kritisierte auch das geplante Fahrradverbot in der Hauptverkehrszeit.
Eine Forderung des Landrates an sich selbst?
Ohne Zweifel ist die Forderung des Odenwälder Landrates nach mehr Triebwagen sinnvoll. Letztlich handelt es sich jedoch um eine Forderung an sich selbst. Denn der Landrat des Odenwaldkreises gehört wie die Spitzenvertreter aller Kommunen im Einzugsbereich des RMV dem Aufsichtsrat des Verbandes an - und dieser gibt der Geschäftsführung die strategischen Entscheidungen vor. Lesen sie dazu einen Hintergrundbericht des Odenwälder Echo.
| Wenn Landrat Horst Schnur sein Ansinnen auf Erweiterung des Wagenparks für die Odenwaldbahn in diesen Tagen zum öffentlichen Thema macht, dann stellt dies zumindest einen ungewöhnlichen Schritt dar. Denn im Prinzip handelt es sich dabei auch um eine Forderung an sich selbst. Der Landrat des Odenwaldkreises nämlich gehört wie die Spitzenvertreter aller anderen Kommunen im Einzugsgebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) dem Aufsichtsrat dieser Organisation an, also dem Gremium, dass der Geschäftsführung die strategischen Entscheidungen vorgibt und deren Arbeit überwacht. Schnur vertritt dort den Anteil von 3,7 Prozent, den der Odenwaldkreis am RMV hält. Als Aufsichtstratsmitglied war Schnur also nicht nur von Anfang an in alle Entscheidungen zur Neuaufstellung der Odenwaldbahn einschließlich der für den Typ und die Anzahl der zu bestellenden Triebwagen einbezogen, sondern könnte auch jederzeit innerhalb dieses Gremiums für eine Änderung der Geschäftspolitik aktiv werden, statt seine entsprechende Initiative öffentlich als Forderung von außen anzulegen. Der Itino-Wagenpark gehört zwar nicht direkt dem RMV, sondern der Fahrzeugmanagement Region Frankfurt Rhein-Main GmbH (Fahma). Bei der allerdings handelt es sich um nichts anderes als eine hundertprozentige Tochter des Rhein-Main-Verkehrsverbunds, die damit ebenso dessen Aufsichtsrat untersteht. Keinen Einfluss auf die Fahrzeugausstattung hat der Auftragnehmer für den Streckenbetrieb, die Vias GmbH. |
Landrat Schnur rechtfertigt sich
Gegenüber dem Odenwälder Echo vom 22.02.2006 rechtfertigte Landrat Horst Schnur seine Zustimmung zur Aufstellung des Fahrzeugparks für die Odenwaldbahn in der heutigen Form. Wie die Odenwald-Regionalgesellschaft (OREG) als örtlicher Verkehrsträger habe auch er sich auf die Erklärung des Managements verlassen müssen, die vorgesehenen Zugkapazitäten seien ausreichend.
Wörtlich erklärt Schnur, „dass der Aufsichtsrat der RMV GmbH mit seinem Beschluss vom 30. April 2003 zur Gründung der Fahrzeugmanagement Region Frankfurt Rhein-Main (Fahma) der Anschaffung von 22 Triebfahrzeugen zugestimmt hat, und zwar auf der Grundlage einer Vorlage der RMV-Geschäftsführung." Aus diesem Beschlusspapier zitiert Schnur wie folgt: „Im Fall der Odenwaldbahn bedingen das anspruchsvolle Betriebskonzept und der prognostizierte Anstieg der Kundenzahl den Einsatz von 22 technisch neuen, schnellen und spurtsicheren Dieseltriebwagen".
Kritiker wurden niedergebügelt
Die Erklärung des Landrates ist freilich nicht ganz richtig. Die Kapazitätsprobleme waren vorhersehbar. Bahnhof Mühltal.de hatte - wie auch viele Fahrgast- und Umweltverbände - bereits im Oktober 2005 die mangelhafte Kapazität der Triebwagen (siehe Infokasten unten) kritisiert. Zudem hatte schon vor Einführung der direkten Züge ein Großteil der Fahrgäste Frankfurt als Ziel. Insofern hätte eigentlich klar sein müssen, dass vor allem die direkten Züge nach Frankfurt sehr stark besetzt sein werden. Anstelle die Kritik ernst zu nehmen, echauffierten sich die Verantwortlichen ziemlich heftig. Eine Entschuldigung über die damaligen unsachlichen Äußerungen ("Flöhe husten", "es wird etwas enger zugehen", "ausreichende Kapazitäten") ist bis jetzt ausgeblieben. Und trotz der Neuverteilung der ITINOS ist der erste SE nach Frankfurt am Main auf der Linie 65 noch immer eine Sardinenbüchse....