Dezember 2005: Die ersten Betriebswochen der VIAS
Verspätungen und überfüllte Züge

Erster richtiger Betriebstag der VIAS auf der Odenwaldbahn war der 12. Dezember 2005. Massive Verspätungen, überfüllte Züge und praktisch keine Informationen für die Fahrgäste - das war an diesem Tag Standard auf der Odenwaldbahn. So hatten die RE mit Ankunft 07.18 Uhr und 07.53 Uhr in Darmstadt ebenso wie die Berufsschüler-RB mit Ankunft 07.38 Uhr jeweils rund 20 bis 30 Minuten Verspätung. Informationen für die wartenden Fahrgäste gab es kaum. So bequemte man sich gegen 07.40 Uhr in Nieder-Ramstadt Traisa durchzusagen, dass die RB mit planmäßiger Abfahrt um 07.23 Uhr (!) rund 30 Minuten Verspätung hat. Gegen 08.10 Uhr kam die Durchsage, dass der SE nach Erbach - planmäßige Abfahrt 07.55 Uhr - rund 25 Minuten Verspätung hat. Für die auf den SE nach Frankfurt um 08.03 Uhr wartenden Fahrgäste (rund 20 Stück, darunter einige Neukunden) gab es überhaupt keine Information, obwohl der Zug zu diesem Zeitpunkt bereits in Ober-Ramstadt abgefahren war.

Gleichzeitig mit den Verspätungen war auch die "ausreichende" Kapazität der ITINOS zu bewundern. So war der RE mit planmäßiger Ankunft 07.18 Uhr in Darmstadt völlig überfüllt. Bei dem mit einem (!) ITINO gefahrenen SE nach Frankfurt (08.03 Uhr ab Nieder-Ramstadt Traisa) gab es bereits in Nieder-Ramstadt nur noch Stehplätze.

Auch im abendlichen Berufsverkehr kam es zu Verspätungen. So erreichte beispielsweise der StadtExpress (SE) um 15.25 Uhr ab Frankfurt Nieder-Ramstadt erst mit rund zehn Minuten Verspätung. Da der Gegenzug (planmäßig 16.03 Uhr ab Nieder-Ramstadt Traisa) in Ober-Ramstadt die Zugkreuzung mit dem SE abwarten muss, hatte der Gegenzug dann ebenfalls zehn Minuten Verspätung. Dadurch kam es auch beim stark besetzten RegionalExpress (16.05 Uhr ab Darmstadt) zu einer Verspätung.

Das Darmstädter Echo schreibt zu den Verspätungen am Montag
Odenwaldbahn: Zug-Verspätung als Knackpunkt - Nach Pannen zum Start erläutert Fachstelle DB Netz die Ursachen
DARMSTADT-DIEBURG. Zum Start der modernisierten Odenwaldbahn gab es am Montag Verspätungen und überfüllte Züge. Wie berichtet, hatten sich Fahrgäste unter anderem beklagt, dass es keine oder zu späte Informationen am Bahnhof Mühltal gegeben habe. Darauf hat die DB Netz, die für die Infrastruktur zuständig ist, jetzt reagiert. So erklärt der Leiter des Regionalnetzes Odenwald, Frank Schüler, dass nicht immer verlässliche Informationen weitergegeben werden konnten, weil sich die Verspätungen am Morgen relativ schnell kumuliert hätten.

Den Vorwurf von Fahrgästen, zumindest ein Zug sei wegen Überfüllung in Bahnhöfen des Kreises Darmstadt-Dieburg durchgefahren, weist Schüler, der nach eigenen Angaben am Montag laufend über die Situation informiert war, zurück. Grund für die Irritation unter den Fahrgästen war nach seinen Angaben die Verspätung des Regionalexpresses (RE), der um 6.19 Uhr von Erbach Richtung Darmstadt fahren sollte. Er habe so viel Verspätung gehabt, dass er zu dem Zeitpunkt in Michelstadt losfuhr, zu dem fahrplanmäßig eine Regionalbahn (RB) hätte starten sollen. Deshalb seien Fahrgäste in den RE gestiegen, die eigentlich mit der RB fahren wollten, die an jedem Bahnhof entlang der Strecke stoppt. Der Express hält jedoch nicht in Lengfeld und Mühltal, so dass die RB-Pendler dort nicht aussteigen konnten, lautet die Begründung Schülers.

Für die Verspätungen nahezu aller Züge am Montagmorgen war nach Angaben Schülers gerade dieser Regionalexpress verantwortlich. Weil er nicht rechtzeitig bereitgestellt worden sei, habe er bereits in Erbach zwei Minuten Verspätung gehabt. Zwölf Minuten seien hinzugekommen, weil eine Sicherheitsvorrichtung am Triebwagen den Zug stoppte, erklärt Schüler.

Weitere sechs Minuten habe es gedauert, weil der Triebfahrzeugführer wegen einer Störung an einem Signal in Bad König den schriftlichen Befehl des Fahrdienstleiters hätte abwarten müssen. Wegen der zeitlich dichten Folge der weiteren Züge und weil ein Triebwagen zu spät in Wiebelsbach bereitgestellt worden sei, habe es die Verspätungen gegeben.

VIAS spricht von einem befriedigenden Start der neuen Odenwaldbahn
Fahrgastzählung im Januar und eventuell weitere Triebwagen?

Gegenüber der Frankfurter Rundschau (FR) vom 16.12.2005 hat VIAS Geschäftsführer Lamprecht den Start der neuen Odenwaldbahn als befriedigend bezeichnet. Gleichzeitig betonte er, dass man die Beschwerden der Kunden über die Verspätungen und die nicht ausreichenden Sitzplatzkapazitäten ernst nehme. Vermutlich nach den Weihnachtsferien soll eine Fahrgastzählung für Klarheit sorgen. Wie die FR weiter berichtet, diskutieren zur Zeit Fachleute des RMV und der VIAS die Situation auf der Odenwaldbahn. Sobald die Ergebnisse der Prüfungen vorliegen, will man auch prüfen, ob weitere Züge angeschafft werden.

14.12.05 bis 21.12.05 - Weiterhin Verspätungen auf der Odenwaldbahn
Knappe Wendezeiten in Frankfurt als Ursache

ItinoVor allem im Berufsverkehr kommt es auf der Odenwaldbahn weiterhin zu teils massiven Verspätungen und Störungen im Betriebsablauf. So sind vor allem die von Frankfurt kommenden Züge häufig zu spät. Beispielsweise am 16.12.2005 der SE um 15.25 Uhr ab Frankfurt und am 14.12.2005 der SE um 16.25 Uhr ab Frankfurt, der fast 15 Minuten Verspätung hatte. Am 20.12.05 war der SE Frankfurt – Eberbach um 16.49 Uhr in Darmstadt Ost mit 12 Minuten Verspätung angekündigt. Er kam dann jedoch überhaupt nicht, sondern es fuhr um 17.09 Uhr die nächste RB ein. Diese fährt allerdings nur bis Wiebelsbach. Fahrgäste mit Ziel über Wiebelsbach hinaus, erhielten keinerlei Information, wann jetzt der verspätete SE kommt. Am 21.12. war (unter anderem) der 15.25 Uhr SE ab Frankfurt fast zehn Minuten zu spät. Grund für die Verspätungen sind im Regelfall die zu knapp bemessenen Wendezeiten der Züge in Frankfurt. So sieht der Fahrplan vor, dass der von Darmstadt Nord als Linie 65 kommende Zug nach sechs Minuten Aufenthalt in Frankfurt am Main weiter als Linie 64 über Hanau nach Wiebelsbach fährt. Aus der von Wiebelsbach über Hanau nach Frankfurt kommenden Linie 64 wird nach fünf Minuten Aufenthalt in Frankfurt die Linie 65. Eine eigentlich geringe Verspätung von fünf Minuten auf der Linie 64 überträgt sich somit auf die Linie 65.

Beispiel: Der Zug der Linie 64 aus Wiebelsbach kommt nicht um 15.20 Uhr, sondern mit fünf Minuten Verspätung in Frankfurt an. Dann startet als Folge davon auch der Zug der Linie 65 nach Erbach über Darmstadt Nord anstatt um 15.25 Uhr mit fünf Minuten Verspätung. Da unterwegs auf der stark belasteten Main-Neckar-Bahn praktisch keine Verspätung aufgeholt werden kann, kommt der Zug dann auch fünf Minuten zu spät in Ober-Ramstadt an. Zwischen Darmstadt Ost und Ober-Ramstadt ist die Strecke eingleisig. Kreuzungsmöglichkeiten bestehen unterwegs seit 1988/89 – Rückbau des Bahnhofes Nieder-Ramstadt Traisa zum Haltepunkt – keine mehr. Der Gegenzug von Eberbach nach Frankfurt muss daher in Ober-Ramstadt auf die Zugkreuzung warten. Fahrplanmäßig ist vorgesehen, dass der Zug aus Frankfurt um 15.59 Uhr in Ober-Ramstadt ankommt, und der Gegenzug dann um 16.00 Uhr Richtung Darmstadt Ost weiterfährt.

Kommt der Zug aus Frankfurt mit fünf Minuten Verspätung in Ober-Ramstadt an, hat zwangsläufig auch der Gegenzug der Linie 65 nach Frankfurt fünf Minuten Verspätung, die er ebenfalls bis Frankfurt kaum aufholen kann. Als Folge davon, fährt dann auch der RE der Linie 64 um 16.38 Uhr ab Frankfurt Richtung Wiebelsbach über Hanau mit mindestens fünf Minuten Verspätung ab. Da der RE in Hainstadt eine Zugkreuzung mit der RB von Wiebelsbach nach Hanau hat, ist auch diese dann zu spät. Die Verspätung wird somit durch das ganze Netz getragen und ist dann nur noch sehr schwer aufzuholen. Die VIAS sieht deshalb auch strukturelle Defizite, was DADINA und RMV bestreiten. Leidtragende sind zum einen die Fahrgäste, denen es reichlich egal ist, warum der Zug zu spät ist. Zum anderen aber auch die Triebfahrzeugführer der VIAS, die den Ärger der Fahrgäste abbekommen.

Verzicht auf Halt in Offenbach könnte Pünktlichkeit verbessern

Derzeit berät eine Arbeitsgruppe aus Experten des RMV und der VIAS über die Verspätungen. Eine Möglichkeit die Pünktlichkeit zu erhöhen wäre, die RE-Züge der Linie 64 nicht mehr in Offenbach halten zu lassen, und - wie vor dem Fahrplanwechsel – nordmainisch (über Maintal) zu führen. Dies würde zu längeren Aufenthalten in Frankfurt und damit zu einem pünktlicheren Betrieb führen. Auch wären die Züge zwischen dem Frankfurter Hauptbahnhof und Wiebelsbach dann deutlich schneller unterwegs, als jetzt. Konkrete Ergebnisse der Arbeitsgruppe sind noch nicht bekannt geworden. Der Odenwälder Landrat Schnur bittet unterdessen alle Fahrgäste, die die komplizierten Zusammenhänge nicht kennen können, um Rücksichtnahme.

Ende Dezember 2005: Weiter Beschwerden über die ITINO-Kapazitäten

Die Kapazität der neuen Triebwagen der Marke ITINO sorgt weiterhin für Frust unter den Fahrgästen der Odenwaldbahn. Gegenüber dem Odenwälder Echo haben die Verantwortlichen jetzt eingeräumt, dass die Klagen über Platznot zu den zentralen Kritikpunkten an der neuen Odenwaldbahn gehören. Fast jede zweite Beschwerde gilt demnach dem Umstand, dass die vom RMV für die Hauptverkehrszeit bestellten Züge selbst im Zweier-Gespann nicht ausreichen und Fahrgäste stehen müssen.

Dem Wunsch nach kurzfristiger Abhilfe indes erteilte der RMV gegenüber der OREG eine Absage: Aus den derzeitigen Fahrzeugumläufen heraus könnten keine drei Wagen aneinander gekoppelt werden, hieß es mit der Einschränkung, dass noch Detailprüfungen erfolgen müssten. Im Klartext: Der RMV hat zu wenig Triebwagen bestellt.

Zwar ist die von Fahrgastverbänden benutzte Bezeichnung „Sardino" für die meisten Züge etwas übertrieben. Allerdings müssen viele Fahrgäste jetzt stehen, die vorher einen Sitzplatz hatten. Dies gilt insbesondere für die zwei morgendlichen RE-Züge von Erbach nach Darmstadt und trifft wieder einmal die treuesten Kunden der Odenwaldbahn – nämlich die Pendler. Die Berufsschüler-RB (Ankunft 07.38 Uhr in Darmstadt) ist zwar dank zweier ITINOS keine Sardinenbüchse geworden, aber auch hier gibt es ab Ober-Ramstadt und Nieder-Ramstadt Traisa nur noch Stehplätze. Bei diesem Zug verschweigt der RMV, dass der ursprüngliche Einsatzplan – siehe Bericht unten – den Einsatz nur eines ITINO vorsah. Erst auf öffentlichen Druck von Fahrgastverbänden wurden zwei ITINOS eingesetzt.

Morgendlicher Berufsverkehr: Nur ein ITINO nach Frankfurt am Main

Ein besonderer Höhepunkt in Sachen Kapazität ist der morgendliche SE von Eberbach nach Frankfurt am Main. Dieser Zug wird weiterhin allen ernstes mit einem (!) Triebwagen gefahren, so dass es teilweise schon in Ober-Ramstadt praktisch keine Sitzplätze mehr gibt. Glauben die Verantwortlichen ernsthaft, dass Autofahrer auf die Odenwaldbahn umsteigen, wenn man von Ober-Ramstadt bis Frankfurt über 40 Minuten lang stehen muss? Warum für einen wichtigen und sinnvollen Pendler-Zug dermaßen geringe Kapazitäten bereitgestellt werden, ist nicht nachzuvollziehen.

Selbst in den Ferien und an Samstagen nur Stehplätze

Auch in den von Frankfurt kommenden Zügen gibt es im abendlichen Berufsverkehr schon in Darmstadt Nord nur noch Stehplätze. Dies gilt - selbst in den Ferien (!) - beispielsweise für den SE um 16.44 Uhr ab Darmstadt Nord, obwohl dieser Zug mit zwei Itinos gefahren wird. Wie mehrere Fahrgäste im Eisenbahnforum drehscheibe-online berichteten, sind auch die Kapazitäten des SE um 18.25 Uhr ab Frankfurt viel zu gering.

Selbst Samstags nachmittags sind die von Frankfurt kommenden Züge teilweise so stark besetzt, dass ab Darmstadt Ost aus vorher sitzenden Odenwäldern stehende Odenwälder werden [Zitat des Verkehrsclubs Deutschlands(VCD) in einer Presseerklärung]. Dies konnte man zum Beispiel am Samstag vor dem vierten Advent beim SE um 17.25 Uhr ab Frankfurt beobachten.

Verantwortliche zeigen sich überrascht

Die Reaktionen der Verantwortlichen auf die Kritik der Fahrgäste ist nicht mehr nachzuvollziehen. Als vorerst einzige Reaktion sollen jetzt - so VIAS Geschäftsführer Lamprecht und der RMV - im Januar die Fahrgäste gezählt werden. Danach soll über weitere Maßnahmen entschieden werden. Gegenüber der Lokalpresse zeigten sich die Verantwortlichen zudem vom starken Andrang in den direkten Zügen nach Frankfurt überrascht. Über solche Äußerungen kann man nur den Kopf schütteln, denn die massive Kritik war – so sagen es auch die Odenwälder Grünen zu Recht - vorhersehbar.

Bahnhof Mühltal hatte - wie auch viele Fahrgast- und Umweltverbände - bereits im Oktober die mangelhafte Kapazität der Triebwagen kritisiert. Zudem hatte schon vor Einführung der direkten Züge ein Großteil der Fahrgäste Frankfurt als Ziel. Insofern hätte eigentlich klar sein müssen, dass vor allem die direkten Züge nach Frankfurt sehr stark besetzt sein werden. Anstelle die Kritik ernst zu nehmen, echauffierten sich die Verantwortlichen ziemlich heftig. Eine Entschuldigung über die damaligen unsachlichen Äußerungen ("Flöhe husten", "es wird etwas enger zugehen", "ausreichende Kapazitäten") ist bis jetzt ausgeblieben.

Warum keine Lösung mit Regio-Sprintern?

Bei der VIAS GmbH – die den Verkehr auf der Odenwaldbahn abwickelt – handelt es sich ja bekanntlich um ein Gemeinschaftsunternehmen aus Rurtalbahn und VGF. Die Rurtalbahn betreibt mit RegioSprintern unter anderem die Strecke Jülich – Düren – Heimbach. Als diese Strecke in den neunziger Jahren regionalisiert wurde, konnte die damalige Dürener Kreisbahn „aus dem vollen" schöpfen und mehr RegioSprinter beschaffen, als sie eigentlich für den Betrieb der Strecke braucht. Die Rurtalbahn verfügt somit über eine Reserve von RegioSprintern, auf die andere Unternehmen gerne zurückgreifen, wenn Kapazitätsengpässe bestehen.

Wie einzelne Mitglieder des Eisenbahnforums „drehscheibe-online" berichten, sind sogar Regio-Sprinter derzeit in Frankfurt stationiert. Warum diese nicht kurzfristig auf der Odenwaldbahn eingesetzt werden – beispielsweise bei einzelnen Zügen im Berufsverkehr, die außerhalb des normalen Zugumlaufs fahren – bleibt das Geheimnis der Verantwortlichen.

Copyright © 2007 - 2012 Bahnhof Mühltal | Webdesign Actra AG