Odenwaldbahn - Modernisierung

Mit der Modernisierung der Odenwaldbahn wird die mittlerweile 135 Jahre alte Strecke von Darmstadt und Hanau nach Erbach/Eberbach fit für die Zukunft gemacht. Mehr als 120 Millionen Euro fließen in das Vorhaben, das den Nah- und Regionalverkehr im Odenwald, im Landkreis Darmstadt-Dieburg und im Kreis Offenbach attraktiver machen soll. Die Odenwaldbahn geht damit in eine hoffentlich gesicherte Zukunft. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Informationen rund um die Modernisierung. Im Gegensatz zu den offiziellen Verlautbarungen beleuchte ich nicht nur die "Sonnenseiten", sondern auch gewisse "Schattenseiten" des Vorhabens. Alle Informationen habe ich nach bestem Wissen zusammengestellt.

Allgemeines/Kurze Chronik

Die wichtigsten Maßnahmen der Modernisierung waren bzw. sind: Ausschreibung des Betriebs der Odenwaldbahn, Beschaffung neuer Triebwagen, Modernisierung der Bahnsteige, Erneuerung der Strecke und zentrale Steuerung der Strecke durch ein neues elektronisches Stellwerk.

Vollständig modernisiert sollte die Strecke nach dem ursprünglichen Zeitplan schon Ende 2007 sein. Im Jahr 2006 nannten die Verantwortlichen dann Juni 2008 als neuen Termin. Letztlich konnte die Modernisierung erst Mitte Oktober 2008 weitestgehend abgeschlossen werden.

  • Seit Anfang 2000: Einzelne Arbeiten an bestimmten Streckenabschnitten
  • Januar 2005: Vias GmbH wird als neuer Betreiber der Odenwaldbahn vorgestellt
  • März 2005: Itino wird als neuer Triebwagen für die Odenwaldbahn vorgestellt
  • September 2005 bis Dezember 2005: Ausbau Darmstadt Nord

Darmstadt Nordbahnhof VIAS-Itino auf Gleis 4 im Darmstäder Nordbahnhof. Im Hintergrund sieht man die neue Gleisverbindung von der Odenwaldbahn (rechts) zu Gleis 4 des Nordbahnhofs. Die zwei Gleise links dienen dem Güterverkehr

  • Seit Dezember 2005: Modernisierung der Bahnsteige
  • 10. Dezember 2005: Letzter Betriebstag der DB Regio
  • 11. Dezember 2005: Betriebsübernahme durch die Vias GmbH
  • 22. Oktober 2007: Anschluss der Strecke Darmstadt - Wiebelsbach an das elektronische Stellwerk
  • 30. März 2008: Anschluss der Strecke Hanau - Wiebelsbach an das elektronische Stellwerk
  • 16. Oktober 2008: Anschluss der Strecke Wiebelsbach - Erbach - Eberbach an das elektronische Stellwerk

Erste Stufe der Modernisierung

Neuer Betreiber (VIAS)

Am 11.12.2005 griff die erste Stufe der Modernisierung. Eine Bietergemeinschaft aus Rurtalbahn und VGF (Verkehrsgesellschaft Frankfurt) übernahm den Betrieb der Odenwaldbahn. Die Gemeinschaft setzte sich im Rahmen der Ausschreibung gegen mehrere Mitbewerber durch. Während sich die Gewinner der Ausschreibung und auch der RMV freuten, waren die Beschäftigten der DB Regio – der bisherige Betreiber - die Verlierer.

Als Namen für die neue Betreibergesellschaft haben die beiden Partner der Namen "VIAS" gewählt. VIA steht dabei für Weg und S für Service. Mit neuen Triebwagen und einer bereits teilweise modernisierten Strecke hielt – bei einigen Verbindungen mit zunächst kräftigen Abstrichen - moderner Fahrkomfort auf der Odenwaldbahn Einzug.

ITINO - Der Triebwagen für die neue Odenwaldbahn

Mit dem Werbemotto "Odenwald-Bahn ... einfach sagenhaft in Rhein-Main-Neckar" sind die 22 neuen Triebwagen der Marke ITINO seit 11. Dezember 2005 auf der Odenwaldbahn unterwegs. Das Logo solle auch überregional für den Odenwald werben, so die offizielle Begründung. Die Züge wurden von der Firma Bombardier in Hennigsdorf bei Berlin fertiggestellt.

ItinoAufgenommen am 23.02.2006 in Wiebelsbach-Heubach

Diskussion um die Kapazitäten des ITINO

Bis heute gibt es heftige Diskussionen über die Kapazitäten des ITINO. Nach längerem hin und her werden jetzt insgesamt vier zusätzliche Itinos beschafft. Diese sollten zunächst im Sommer 2009 zum Einsatz kommen. Dann verzögerte sich die Auslieferung auf Ende 2009. Mittlerweile ist der Einsatz für Februar 2010 geplant. Denn das Eisenbahn-Bundesamt hat die Auslieferung der vier Fahrzeuge aufgrund von Problemen mit der Bremsanlage vorerst gesperrt.

Modernisierung, Erhöhung der Streckengeschwindigkeit und "Verlängerung" der Strecke

Die wichtigsten Baumaßnahmen im Rahmen der ersten Stufe der Modernisierung waren der Ausbau des Darmstädter Nordbahnhofes und der Bau eines "Odenwälder Bahnwerks" in Michelstadt. Mit dem Ausbau des Darmstädter Nordbahnhofs wurde eine direkte Gleisverbindung von der Odenwaldbahn zur Main-Neckar-Bahn Richtung Frankfurt am Main geschaffen. Damit sind erstmals in der Geschichte der Odenwaldbahn direkte Züge aus dem Odenwald nach Frankfurt am Main möglich. Der zeitraubende Umweg über den Darmstädter Hauptbahnhof entfällt.

Das neue "Odenwälder Bahnwerk" in Michelstadt übernimmt die Wartung der neuen ITINO Triebwagen.

Neben diesen beiden Baumaßnahmen wurde die Odenwaldbahn außerdem teilweise für eine Streckenhöchstgeschwindigkeit von 120 km/h flott gemacht. In Abschnitten wurden deshalb die Gleise erneuert und das Gleisbett ausgebessert. Dadurch kam es immer wieder zu einzelnen Streckensperrungen und die Züge wurden durch Busse ersetzt.

Zukünftig sollen die Züge der Odenwaldbahn außerdem nach Pfungstadt fahren. Dazu wird die - eigentlich nicht zur Odenwaldbahn gehörende - Strecke von Darmstadt-Eberstadt nach Pfungstadt reaktivert. Der ursprünglich geplante Termin Ende 2009 für die Reaktivierung kann nicht gehalten werden. Derzeit ist völlig unklar, wann Züge nach Pfungstadt fahren werden. Zwischen Darmstadt Hbf. und Darmstadt-Eberstadt werden die Züge die Main-Neckar-Bahn benutzen.

Zweite Stufe der Modernisierung

Einrichtung eines elektronischen Stellwerks

Auf den meisten Bahnhöfen waren auch nach dem 11. Dezember 2005 zunächst noch mechanische Stellwerke im Einsatz, so dass das Flair einer Nebenstrecke mit Formsignalen erhalten blieb. Moderne Lichtsignale gab es nur in den Bahnhöfen Otzberg-Lengfeld und Wiebelsbach-Heubach, sowie in Darmstadt Ost und Darmstadt Nord. Um Kosten zu sparen, und Zugkreuzungen schneller abwickeln zu können, wurde die Strecke abschnittsweise an ein neu gebautes elektronisches Stellwerk in Wiebelsbach angeschlossen. Die jeweiligen Fahrdienstleiter vor Ort sind überflüssig geworden. Anstelle der Formsignale sind jetzt moderne Lichtsignale im Einsatz. Zunächst (Herbst 2007) wurde der Abschnitt zwischen Wiebelsbach und Darmstadt an das elektronische Stellwerk angeschlossen. Der Abschnitt von Wiebelsbach nach Hanau folgte in den Osterferien 2008. Der Südabschnitt Wiebelsbach - Erbach - Eberbach wurde in den Herbstferien 2008 an das Stellwerk angeschlossen. Seit 16. Oktober 2008 ist die gesamte Strecke zentral elektronisch gesteuert.

Modernisierung der Bahnübergänge

Bis zur kompletten Inbetriebnahme des neuen Stellwerks wurden auch alle Bahnübergänge entlang der Strecke modernisiert bzw. an das Stellwerk angeschlossen. Damit sollten auch die gelegentlich auftretenden Verspätungen durch defekte Bahnübergänge behoben sein. Die eigentlich sinnvolle Maßnahme der Modernisierung der Übergänge hat in Reinheim zu erregten Diskussionen geführt, da der bisher vollbeschrankte Bahnübergang mit Halbschranken versehen werden sollte. Nach heftigen, teils unsachlich geführten Diskussionen hat die DB Netz von diesem Plan Abstand genommen. Es bleibt bei der Vollbeschrankung.

Modernisierung sowie Umbenennung der Bahnhöfe/Haltepunkte
Einzelner Rückbau von Bahnhöfen zu Haltepunkten

Bahnsteig Darmstadt Ost Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2005 gab es noch keine modernisierten Bahnhöfe und auch keine modernisierten Bahnsteige entlang der Odenwaldbahn. (Ausnahme: Bahnsteig am Gleis 2 im Bahnhof Darmstadt Ost - bereits 2001 modernisiert, linker Bahnsteig im Bild links.) Vorgesehen ist eine Modernisierung aller Bahnsteige zwischen Hanau und Wiebelsbach, sowie zwischen Darmstadt und Erbach. Die Bahnsteige im Südabschnitt der Odenwaldbahn (Hetzbach, Kailbach und Schöllenbach-Hesselbach) werden wegen des dort eher geringen Fahrgastaufkommens nicht modernisiert. Auch Hetschbach (bei Höchst) erhält wohl keinen modernen Bahnsteig.

Ursprünglich sollte die Modernisierung der Bahnsteige bis zum Dezember 2007 abgeschlossen sein. Dieser Termin konnte jedoch nicht gehalten werden. Mühltal, Klein-Umstadt und Langstadt werden erst 2010 modernisiert. Die Modernisierung von Babenhausen wird sich noch weiter verzögern.

Übrigens werden nur die Bahnsteige modernisiert. Ausschließlich diese Maßnahme ist auch in den Kosten von mehr als 120 Millionen € für die Modernisierung der Odenwaldbahn enthalten. Ob es auch zu einer Modernisierung des jeweiligen Bahnhofes und seines Umfeldes kommt, ist Sache der Gemeinde. Einige Gemeinden – wie beispielsweise Ober-Ramstadt – sind hier schon sehr weit, in Mühltal dagegen gibt es noch nicht einmal konkrete Planungen.

Die bisherigen Bahnhöfe Lengfeld und Zell-Kirchbrombach wurden im Rahmen der Modernisierung zu Haltepunkten zurückgestuft. Zugkreuzungen sind hier jetzt nicht mehr möglich. Ob der Rückbau sinnvoll war, wird die Zukunft zeigen. Die Streichung eines morgendlichen Zuges von Wiebelsbach nach Erbach und dessen Ersatz durch einen Schnellbus führen Kritiker auf die jetzt fehlende Kreuzungsmöglichkeit in Zell zurück. Laut OREG gibt es aber keinen Zusammenhang. Der Zug sei gestrichen worden, um mit dem hierfür benötigten Triebwagen einen anderen Zug zu verstärken.

Einige Bahnhöfe bzw. Haltepunkte wurden zudem im Rahmen der Modernisierung umbenannt. Als Begründung für die Umbenennung gaben die Verantwortlichen die bereits vor dreißig Jahren durchgeführte Gemeindereform an. Die Umbenennung ist teilweise auf heftige Kritik gestoßen.

Das Linienkonzept

Das neue Fahrplankonzept besteht aus 5 Linien.

  • Schneller Odenwälder Darmstadt - Erbach mit Halt nur an allen Darmstädter Bahnhöfen, in Ober-Ramstadt, Reinheim, Wiebelsbach, Höchst, Bad König, Michelstadt und Erbach.
  • Regionalexpress Frankfurt - Hanau - Wiebelsbach (- Erbach) mit Halt nur in Frankfurt Hbf. und Süd, Hanau Hbf., Hainstadt, Seligenstadt, Babenhausen, Groß-Umstadt und Wiebelsbach. Bis Erbach verkehrende Züge halten außerdem auch in Höchst, Bad König und Michelstadt.
  • Regionalbahn Hanau - Wiebelsbach mit Halt auf allen Bahnhöfen.
  • Regionalbahn Darmstadt - Erbach - Eberbach mit Halt auf allen Bahnhöfen. In der Gegenrichtung beginnt dieser Zug erst in Erbach.
  • Stadtexpress Frankfurt - Darmstadt/Nord - Reinheim - Wiebelsbach - Erbach mit Halt auf allen Bahnhöfen zwischen Darmstadt Nord und Erbach. In der Gegenrichtung beginnt dieser Zug bereits in Eberbach und hält auch zwischen Eberbach und Erbach auf allen Bahnhöfen.

Bahnhof Kailbach Seit Dezember 2005 sind der Zuglauf und die Triebwagen auf der Odenwaldbahn Geschichte:
RE 36201 Frankfurt am Main - Eberbach gebildet aus zwei VT 628 Triebwagen im Haltepunkt Kailbach.

Güterverkehr

Die Zukunft des Güterverkehrs auf der Odenwaldbahn bleibt unklar. Zunächst konnte der Erhalt zweier Weichen in Ober-Ramstadt und Reinheim gesichert werden. Ein langes hin und her um die Instandsetzung der Verladeanlage der OHI am Bahnhof Groß-Bieberau und die Strecke von Groß-Bieberau nach Reinheim fand am 03.12.2009 ein glückliches Ende. Der erste Güterzug seit 2003 war von Groß-Bieberau nach Darmstadt unterwegs. Mittlerweile wird auch der Anschluss in Ober-Ramstadt wieder bedient. Ob es aber wieder in größerem Umfang Güterverkehr auf der Odenwaldbahn gibt, ist derzeit unklar.

Stand: 18.08.2010

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