Reinheim: Bahnhofsumbau und Modernisierung Bahnübergang beendet
Bushaltestelle erhält neue Wartehallen und Toiletten
Verein möchte aus Stellwerk Museum machen

Im Zuge der Modernisierung der Odenwaldbahn wurde das gesamte Bahnhofsgelände vollständig umgebaut bzw. zu einer Kreuzungsstation zurückgebaut. Von dem alten Eisenbahnknoten mit Anschlüssen zur Rodgaubahn nach Dieburg und Offenbach und zum Odenwälder Lieschen nach Reichelsheim ist praktisch nichts mehr übrig geblieben. Die bisherigen Abstell- und Rangiergleise wurden weitestgehend demontiert. Nur der Anschluss nach Groß-Bieberau ist erhalten geblieben, damit noch Schotter vom OHI-Werk in Groß-Bieberau auf der Schiene transportiert werden kann.

Bahnhof ReinheimBlick auf die neuen Bahnsteige im Bahnhof Reinheim. Links der neue Außenbahnsteig.

Der alte Haus- und der Mittelbahnsteig wurden zurück gebaut und durch jeweils einen neuen Haus- und Außenbahnsteig ersetzt. Beide Bahnsteige wurden auf 55 cm erhöht, so dass die Fahrgäste höhengleich ein- und aussteigen können. Außerdem besteht bei beiden Bahnsteigen ein behindertengerechter Zugang. Auch der Bahnübergang ist modernisiert worden. Hierfür war der Übergang vom 13. Juli 2007 bis zum 19. Juli 2007 für den Straßenverkehr gesperrt. Laut Auskunft der Pressestelle der Deutschen Bahn wurden in Reinheim rund 900.000,-- € investiert.

Bahnübergang Reinheim08.02.2008 - Der RE nach Darmstadt am Bahnübergang Reinheim

Bahnübergang Reinheim - Es bleibt bei Vollschranken

Im Vorfeld der Modernisierung war es zu einem heftigen Streit um den Bahnübergang gekommen. Die DB Netz wollte - wie auch bei anderen Bahnübergängen entlang der Odenwaldbahn - die Vollschranken durch Halbschranken ersetzen. Politiker und Eltern liefen aus angeblichen Sicherheitsbedenken Strum gegen die Entscheidung. Da täglich rund 20.000 Kraftfahrzeuge den Übergang benutzen und zudem auch viele Schüler den Bahnübergang nutzen, sorgte das Vorhaben für heftige Empörung. Nach einer emotional geführten Diskussion lenkte DB Netz ein. Die zahlreichen Proteste aus Reinheim - insbesondere wohl auch der einstimmige Beschluss des Reinheimer Stadtparlamentes vom 12.04.2005 - haben Wirkung gezeigt. Die DB Netz AG als Verantwortliche für die Infrastruktur auf der Odenwaldbahn ist jetzt bereit, es bei einer Vollbeschrankung zu belassen. Dies teilte Reinheims Bürgermeister Karl Hartmann am 23.05.2005 dem Darmstädter Echo mit.

Laut Auskunft des Bürgermeisters gegenüber dem Echo sicherte die DB Netz AG in einem Schreiben an die Stadt zu, dass die von Reinheim gewünschten Änderungen bei der Ausführungsplanung berücksichtigt werden sollen. Die Beteiligung der Stadt an dem Mehraufwand für Umplanung und Ausführung sollen in einer gesonderten Vereinbarung zwischen Bahn und Stadt geregelt werden.

Bahnübergang ReinheimDer Bahnübergang Reinheim am 08.02.2008 - Die Bürger haben ihre Vollschranken

Zunächst wollte die DB Netz ungeachtet der massiven Kritik an ihrem Vorhaben festhalten. Eine parlamentarische Anfrage blieb ergebnislos. Im Rahmen der heftig und teilweise auch über die Leserbriefspalten der Lokalzeitung geführten Diskussion kam auch der abwegige Vorschlag (FDP Reinheim) einer Fußgängerbrücke zur sicheren Überquerung der Odenwaldbahn auf. Am 12.04.2005 sprach sich das Stadtparlament schließlich einstimmig (!) vor knapp 100 Besuchern für die Vollbeschrankung aus. Grund hierfür war vor allem der massive Druck der Reinheimer Schulen sowie der Eltern. Wie Bahnsprecherin Cornelia Rauchenberger daraufhin gegenüber der Frankfurter Rundschau erklärte, wolle sich die Bahn nicht über den erklärten Willen einer ganzen Kommune hinwegsetzen. Man halte aber Halbschranken weiterhin für die sinnvollere Lösung. Letztlich hat das einstimmige Votum des Stadtparlaments dann wohl die Bahn zum Nachgeben veranlasst.

Quelle: Darmstädter Echo

Fazit

Der lautstarke Protest passt in die "Vollkasko-Mentalität" der heutigen Zeit. Einfache Verhaltensregeln werden nicht mehr befolgt - und wenn dann etwas passiert, verklagt man einfach den Staat oder wen auch immer. Dieselben Eltern, die jetzt lautstark und erfolgreich angeblichen Schutz für die Kinder am Bahnübergang eingefordert haben, fahren - überspitzt formuliert - morgens als fliegende Muttis und Vatis in überhöhter Geschwindigkeit vor den Schulen vor und bringen die zu Fuß oder mit dem Rad kommenden Kinder in weitaus größere Gefahr, als von einem halbbeschrankten Bahnübergang ausgeht.

Vernünftige Kinder bleiben an einem Rotlicht zeigenden Bahnübergang stehen, auch wenn ihnen Halbschranken die Möglichkeit bieten, noch schnell über die Gleise zu rennen. Unvernünftige Kinder finden auch bei einem vollbeschrankten Bahnübergang eine Möglichkeit, die Gleise als "Mutprobe" vor dem herannahenden Zug zu überqueren. Letztlich ist ein halbbeschrankter Bahnübergang sicherer als jede Fußgängerampel. Sind die Schranken offen, kommt mit Sicherheit kein Zug. Bei einer Fußgängerampel kann trotz Grünlicht für die Fußgänger durchaus noch ein Auto bei Rot über die Ampel rasen.

Vernünftige Autofahrer bleiben an einem Rotlicht zeigenden Bahnübergang stehen. Unvernünftige Autofahrer - davon gibt es leider immer mehr - missachten auch trotz Vollschranken (wenn diese noch nicht unten sind) das Rotlicht am Bahnübergang. Bei einer Vollbeschrankung ist die Gefahr für alle Beteiligten sogar noch größer, da die Karre nebst Fahrer (oder auch Kinder) den Bahnübergang eventuell nicht mehr verlassen können. Absolute Sicherheit kann und wird es nie geben.

Den Mehraufwand für diese "Vollkasko-Mentalität" tragen jetzt wieder mal die Steuerzahler. Zudem kommt es jetzt am Bahnübergang zu gefährlichen Situationen, wenn Autos trotz Stau auf den Übergang fahren und sich dann die Schranken schließen. Das Verhalten der Autofahrer am Reinheimer Bahnübergang war deshalb bereits Thema in der Lokalzeitung.
Mehr zum Verhalten der Autofahrer am Bahnübergang

Streit um Zugang zum Gleis 2

Bahnhof ReinheimNach Eröffnung der neuen Bahnsteige war der Zugang zum Gleis 2 Thema im Parlament. Gleis 2 ist - siehe Bild links - nur über den Bahnübergang erreichbar. Einige Reinheimer Poltiker forderten deshalb einen zusätzlichen Überweg über die Gleise, damit die Züge rechtzeitig erreicht werden können. Auch hier entstand wieder eine lebhafte Diskussion. Dabei wurde übersehen, dass Gleis 2 nur bei Zugkreuzungen benutzt wird und im Regelfall die Züge von Gleis 1 abfahren. Zudem wäre ein ungesicherter Überweg entstanden - dies wollte man ja gerade mit der Vollbeschrankung des Bahnübergangs verhindern. Mittlerweile ist dieses Thema vom Tisch.

Am Bahnhof sind Einkaufsmärkte entstanden - Widerspruch gegen Entwidmung von Flächen ausgeräumt

Auf den am Bahnhof durch Gleisabbruch freigewordenen Flächen sind Einkaufsmärkte entstanden. Die Bahn hatte als ursprüngliche Eigentümerin die Entwidmung der Flächen beim Eisenbahnbundesamt (EBA) betrieben, um diese an einen Investor verkaufen zu können. Dieser errichtete dort Einkaufsmärkte. Der Baubeginn verzögerte sich zunächst, da die Groß-Bieberau-Reinheimer Eisenbahngesellschaft gegen die vom Eisenbahnbundesamt verfügte Entwidmung des Geländes am Bahnhof Widerspruch eingelegt hatte. Reinheims Dürgermeister sprach damals gegenüber der Zeitung Darmstädter Echo von einem "Horrorszenario", wenn das Bundesamt zwar den Widerspruch ablehnt, die Eisenbahngesellschaft dann dagegen klagen würde. Das könne den Baubeginn der Einkaufsmärkte um Monate hinauszögern, so dass eine Eröffnung der Märkte in der zweiten Jahreshälfte 2008 nicht mehr möglich wäre. Der Widerspruch konnte jedoch ausgeräumt werden. Die Eröffnung der Märkte erfolgte dann Ende 2008. Da der Abzweig nach Groß-Bieberau erhalten geblieben ist, sind Schottertransporte auf der Schiene von dort auch weiterhin möglich und werden mittlerweile auch wieder durchgeführt.

Bahnhof ReinheimUrsprünglich Bahngelände - jetzt Parkplatz und Einkaufsmarkt. Vom Eisenbahnknoten Reinheim ist nicht mehr viel übrig. Aufgenommen am 18.09.2009.

Ab April 2011: Bushaltestelle erhält neue Wartehallen und Toilette

Im Zuge des Bahnhofsumbaus kommt es auch zu einer Umgestaltung des Vorplatzes. Neben einer Verlängerung der Bushaltestelle - zukünftig sollen dort drei Busse hintereinander halten können - sind auch zwei Wartehallen mit integriertem WC vorgesehen. Zudem wird der Bordstein erhöht, um ein barrierefreies Einsteigen in die Busse zu ermöglichen. Außerdem soll es eine überdachte Abstellmöglichkeit für (sage und schreibe!) 16 Fahrräder geben. Die Auftragsvergabe für die geplante Anlage ist - nachdem die beantragten Landesfördermittel bewilligt sind - mittlerweile erfolgt.

Bushaltestelle Bahnhof ReinheimDie Bushaltestelle am Bahnhof Reinheim vor Beginn der Umbauarbeiten. Aufgenommen am 26.02.2011.

Die eigentlichen Bauarbeiten begannen im April 2011 und sollen im Frühsommer abgeschlossen sein. An Kosten entstehen rund 200.000,-- €, von denen das Land Hessen etwa 90.000,-- € übernimmt. Bereits am 28. Februar 2011 wurden zwei Bäume gefällt, die der Verlängerung der Bushaltestelle im Weg stehen.

Bushaltestelle Bahnhof ReinheimAm 30.04.2011 ist die neue Bushaltestelle am Bahnhof Reinheim schon in Ansätzen zu erkennen.

Bushaltestelle Bahnhof Reinheim29.05.2011 - Die Pflasterung ist schon fertig, ansonsten fehlt es noch an vielem.

Mittlerweile ist die neue Bushaltestelle in Betrieb. Restarbeiten sind aber noch erforderlich. So sind die Toiletten noch nicht benutzbar und die Fahrgastinformation ist auch noch verbesserungswürdig. So ist noch nicht erkennbar, welche Linie wo hält.

Bushaltestelle Bahnhof Reinheim29.06.2011 - Die neue Bushaltestelle in Betrieb.

Bushaltestelle Bahnhof ReinheimDie neue Bushaltestelle aus anderer Blickrichtung und ohne Busse.


Verein möchte aus dem alten Stellwerk ein Museum machen

Im April 2008 gründete sich ein Verein Museumsstellwerk Reinheim mit dem Ziel, aus dem denkmalgeschützten Stellwerk am Bahnübergang in Reinheim – dem Bahnwärterhäuschen – ein Museum zu machen. Darin soll später die Original-Hebelbank dazu benutzt werden, um Weichen auf einer Modelleisenbahnanlage zu steuern. Das Stellwerk wird seit der Modernisierung der Odenwaldbahn nicht mehr gebraucht. Derzeit sucht der Verein nach Unterstützern. „Wir wollen doch ein Gebäude erhalten, das zu Reinheim gehört wie die Kirche“, sagt Vereinsvorsitzender Gert Schneider dem Darmstädter Echo.

Bahnhof ReinheimDas alte Stellwerk (Bahnwärterhäuschen) am Bahnhof Reinheim. Aufgenommen am 18.09.2009.

Derzeit sucht der Verein nach Unterstützern, da die Sanierung aufgrund von Vorgaben des Denkmalschutzes teuer wird, gleichzeitig aber weder von der Stadt noch vom Denkmalschutz Hilfe bei Umbau und Sanierung zu erwarten ist. Die Deutsche Bahn hat dem Verein wenigstens 1000 Euro als Starthilfe gegeben und hat einen für den Verein kostenfreien Nutzungsvertrag abgeschlossen.

Stand: 01.07.2011

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