Chronik: Die Kapazitätsdiskussion auf der Odenwaldbahn
Nach langem hin und her werden vier neue Itinos gekauft

Schon mit der Vorstellung der neuen ITINO-Triebwagen war eine heftige Diskussion über deren Kapazitäten entbrannt. Zunächst wiesen die Verantwortlichen alle Kritik zurück und warfen den Kritikern in teilweise polemischem Tonfall vor, ein gutes Projekt schlecht zu machen. Beim Start der neuen Odenwaldbahn im Dezember 2005 kam es dann zu massiven Fahrgastbeschwerden. Eine für das Frühjahr 2006 geplante Fahrgastzählung wurde durch den unter Druck geratenen RMV auf Januar 2006 vorgezogen. Da die Fahrgastzählung die meisten Beschwerden bestätigte, wurden ab 06. Februar 2006 einige Triebwagen anders verteilt. Als erster Landrat forderte Horst Schnur (Odenwaldkreis) im Februar 2006 die Beschaffung neuer Triebwagen.

Eine überraschende Wende nahm die Kapazitätsdiskussion im Sommer 2006. Im Juni 2006 schlug der RMV die Beschaffung dreier neuer Triebwagen vor. Im Juli 2006 erhielt die Geschäftsführung des RMV vom Aufsichtsrat die Genehmigung, Schritte zum Kauf der Triebwagen einzuleiten. Gleichzeitig räumte der RMV zumindest indirekt ein, die Kapazitätsprobleme unterschätzt zu haben. Zur Verbesserung der Kapazität wurde ab Juli 2006 ein bis heute heftig kritisiertes Fahrradverbot im Berufsverkehr verhängt. Im Herbst 2006 beschlossen die kommunalen Parlamente, sich an der Finanzierung der neuen Triebwagen anteilig zu beteiligen.

Im März 2007 wurde bekannt, dass sich die Beschaffung der drei neuen Triebwagen verzögern wird. Hintergrund waren Streitigkeiten um den Preis. In einer Sitzung des Kreistagsausschusses für Bausachen Mitte Mai 2007 teilte der Odenwälder Landrat mit, dass es wohl nicht möglich sein wird, den Fuhrpark der Odenwaldbahn um drei auf 24 Triebwagen des Typs Itino aufzustocken. Hintergrund: Die Bahntechnik-Firma Bombardier könne die inzwischen eingestellte Produktion dieser Triebwagen-Baureihe nicht mehr zu wirtschaftlichen Bedingungen anlaufen lassen. Nach einigem hin und her wurden dann schließlich am 14. August 2007 doch noch die Kaufverträge für die neuen Triebwagen unterzeichnet. Vorher hatten Umwelt- und Fahrgastverbände den Einsatz von Triebwagen anderer Hersteller gefordert.

Nachfolgend finden Sie eine Chronik der Kapazitätsdiskussion von 2005 bis heute. Eine Fortsetzung wird es mit Sicherheit geben.

Seit Anfang 2005 - Umwelt- und Fahrgastverbände befürchten Kapazitätsprobleme

Umwelt- und Fahrgastverbände äußern massive Kritik an den neu vorgestellten Triebwagen und befürchten Kapazitätsprobleme auf der neuen Odenwaldbahn ab Dezember 2005. In Leserbriefen an die Lokalpresse wird deutlich, dass auch Fahrgäste die Kapazität der neuen Triebwagen als nicht ausreichend betrachten. Die Verantwortlichen werden den Kritikern in teilweise polemischen Tonfall vor, ein gutes Projekt schlecht zu machen. Der RMV verteidigt seine Kapazitätsberechnungen. Ein Sprecher der OREG sieht die Fahrgäste "die Flöhe husten hören".

27. August 2005 - RMV räumt Kapazitätsprobleme ein

Gegenüber der Frankfurter Rundschau vom 27.08.2005 hat der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) erstmals Kapazitätsprobleme auf der neuen Odenwaldbahn eingeräumt. RMV-Sprecherin Petra Eckweiler geht davon aus, dass der Zug der in Darmstadt um kurz vor 8 Uhr ankommen soll, proppenvoll sein dürfte. Das gleiche gelte auch für den Berufsschüler-Zug mit Ankunft um 07.39 Uhr in Darmstadt.

Oktober 2005 - Wird ein gutes Projekt schlecht geredet - oder der ITINO zum Sardino? RMV sieht für Kritik keinen Anlass

Itino auf TestfahrtÜber die 22 neuen Triebwagen der Marke ITINO ist - auch im Rahmen der Vorstellung der VIAS GmbH - weiterhin eine heftige Diskussion im Gang. Peter Vollmer, Pressesprecher des RMV, sieht allerdings gegenüber dem Odenwälder Echo nunmehr für Kritik überhaupt keinen Anlass mehr: „Wir haben erst vor wenigen Monaten noch einmal die Fahrgäste gezählt und liegen mit unseren Planungen richtig. Er verstehe nicht, „weshalb eine so gute Sache schlecht gemacht wird"

Dezember 2005/Januar 2006 - Start der neuen Odenwaldbahn
Kapazitäten des ITINO sorgt für Fahrgastfrust

Die Kapazität der neuen Triebwagen der Marke ITINO sorgt für Frust unter den Fahrgästen der Odenwaldbahn. Gegenüber dem Odenwälder Echo haben die Verantwortlichen jetzt eingeräumt, dass die Klagen über Platznot zu den zentralen Kritikpunkten an der neuen Odenwaldbahn gehören. Fast jede zweite Beschwerde gilt demnach dem Umstand, dass die vom RMV für die Hauptverkehrszeit bestellten Züge selbst im Zweier-Gespann nicht ausreichen und Fahrgäste stehen müssen.

09. Januar 2006 - Pendler beschweren sich über volle Züge
Merck-Beschäftigte geben Job-Tickets zurück

Die Diskussion über die Kapazitäten der Odenwaldbahn hält an. Am 09.01.2006 beobachtete die Frankfurter Rundschau am Ober-Ramstädter Bahnhof die Situation im morgendlichen Berufsverkehr. Fahrgäste aus Ober-Ramstadt beklagten sich gegenüber der FR über volle Züge. Unterdessen wurde bekannt, dass schon 25 Mitarbeiter der Fa. Merck auf das teuer finanzierte günstige Job-Ticket freiwillig verzichtet haben. Begründung: Die neue Odenwaldbahn sei katastrophal.

21. Januar 2006 - Landrat spricht von quetschvollen Zügen, Fahrgastzählung ist geplant

Auf der Jahresversammlung der Interessengemeinschaft Odenwald in Ober-Ramstadt hat der Odenwälder Landrat Schnur die Züge der Odenwaldbahn als quetschvoll bezeichnet. Gleichzeitig kündigte er eine Fahrgastzählung an.

26. Januar 2006/09. Februar 2006 - RMV gibt Kapazitätsprobleme zu, einige Züge erhalten größere Kapazitäten - Pläne für Fahrradverbot im Berufsverkehr

Für seine Verhältnisse überraschend schnell hat der RMV auf die massiven Kundenbeschwerden über die Kapazität des ITINO reagiert. Nachdem die durchgeführte Fahrgastzählung - wie nicht anders zu erwarten war - die meisten Beschwerden bestätigt hat, sollen einige Züge ab 06.02.2006 verstärkt werden. Gegenüber der Lokalpresse bestätige die VIAS Überlegungen für ein Fahrradverbot.

Darmstadt Ost - Itinos im Dreierpack Seit 06.02.2006 wird VIA 84575 von Frankfurt nach Eberbach bis Wiebelsbach mit drei Itinos gefahren. Die anderen im Berufsverkehr von Frankfurt kommenden Züge sind weiterhin nur mit zwei Itinos bestückt.

22. Februar 2006 - Odenwälder Landrat fordert zusätzliche Itinos - Stellt der Landrat Forderungen an sich selbst

Ungeachtet der Ablehnung durch den RMV fordern der Odenwälder Landrat Schnur und der Vorsitzende des Fahrgastbeirates der DADINA zusätzliche Triebwagen für die Odenwaldbahn. Letztlich stellt der Odenwälder Landrat damit eine Forderung an sich selbst.

10. Juni 2006 - RMV schlägt Kauf von drei zusätzlichen ITINOS vor
Fahrgastzahlen schon jetzt auf dem erst für 2012 prognostizierten Niveau

Die Odenwaldbahn ist nach holprigem Start wieder in die Spur zurückgekehrt: Das zumindest hat der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), Volker Sparmann, in Erbach erklärt. Der RMV war zunehmend unter Druck geraten, nachdem immer wieder über Kapazitätsengpässe auf der Strecke Erbach-Darmstadt geklagt worden war.

Auch Bahnhof Mühltal hatte immer wieder über die Kapazitätsprobleme berichtet. Neueste Erhebungen des RMV belegen nun diese Vermutungen: „Vor allem auf der Strecke Erbach-Darmstadt haben wir eine ausgeprägte Morgenspitze. Da müssen wir noch was tun", signalisierte Sparmann Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft. So schlägt der RMV vor, die Gesamtzahl der Itinos von bisher 22 auf 25 aufzustocken und damit weitere Kapazitäten freizugeben. Mit den drei zusätzlichen Fahrzeugen kämen auf den Odenwaldkreis und die Nachbarkreise Mehrkosten von rund 100 000 Euro zu. Doch richtigerweise sieht der RMV keine Alternative, will sich die Odenwaldbahn dauerhaft positionieren.

Laut Aussage des RMV gibt es eine positive Entwicklung der Fahrgastzahlen, die bereits jetzt den Erwartungsstand von 2012 erreicht hätten. „Die Fahrtenzahl hat sich von 5000 auf über 6300 gesteigert, was einer Zunahme von rund 700 Fahrgästen entspricht", erklärte Sparmann. Allerdings seihen außerhalb der Hauptverkehrszeiten die restlichen Fahrten eher dürftig ausgelastet. Zwar würden sich auf dem Rückweg in den Odenwald die Pendlerströme gleichmäßiger verteilen - kein Wunder, da das Fahrtangebot von Frankfurt zurück in den Odenwald nachmittags deutlich besser ist, als am Morgen. Die leeren Züge sollen trotzdem besser angeboten werden. Wie das geschehen soll, ließ der RMV zunächst offen.

Laut RMV hat sich die Anzahl der Beschwerden massiv reduziert. Gingen bei den Fachabteilungen des RMV Anfang des Jahres noch über hundert Beschwerden zu Überfüllung und Verspätungen ein, meldeten sich im vergangenen Monat weniger als zehn Fahrgäste, um ihrem Unmut Luft zu machen.

12. Juli 2006 - Wende in der Kapazitätsdiskussion
Aufsichtsrat des RMV stimmt Anschaffung dreier Itinos zu - Sind die Fahrzeuge in zwei Jahren im Einsatz?

ItinoDer Aufsichtsrat des RMV hat heute der Geschäftsführung die Genehmigung erteilt, sich um die Beschaffung dreier neuer Itinos für die Odenwaldbahn zu kümmern. Damit ist freilich noch nicht gesichert, dass auch tatsächlich drei zusätzliche Itinos beschafft werden. Denn zunächst wird die RMV-Tochtergesellschaft "fahma" mit dem Hersteller Bombardier Gespräche hinsichtlich der Liefertermine und der Fahrzeugpreise führen. Zusätzlich sind seitens des RMV Finanzierungsvereinbarungen mit den beteiligten Landkreisen zu schließen. Diese müssen sich gemäß Partnerschaftsmodell an der Hälfte der zusätzlichen Betriebs- und Fahrzeugkosten beteiligen. Der RMV geht nunmehr von einem Betrag von rund 400.000,-- € aus. Vor einem Monat (siehe obiger Artikel) war noch von 100.000,-- € die Rede. Falls in den kommenden Monaten alle Fragen geklärt werden können, könnten die zusätzlichen Itinos in rund zwei Jahren auf der Odenwaldbahn rollen.

24. Juli 2006 - Fahrradverbot im Berufsverkehr

Im Berufsverkehr wird die Mitnahme von Fahrrädern verboten. Das Verbot sorgt für heftige Kritik. Nach Protesten aus der Odenwälder Gastronomie wird es für den Südabschnitt zwischen Erbach und Eberbach aufgehoben, für die anderen Streckenabschnitte der Odenwaldbahn bleibt es zunächst bestehen.

25. September 2006 - Odenwälder Kreistag beschließt Beteiligung an der Finanzierung der zusätzlichen Triebwagen

Als erstes Kommunalparlament hat der Odenwälder Kreistag beschlossen, die Finanzierung der drei geplanten zusätzlichen Itino-Triebwagen anteilig mit 133.000 € zu unterstützen. In Ihrer Sitzung am 25.09.2006 stimmten die Abgeordneten nahezu einstimmig der Finanzierung zu. Lediglich die zwei Abgeordneten der WASG enthielten sich der Stimme. Die 133.000 € sind der Odenwälder Anteil an der Hälfte der Gesamtfinanzierung, die sich die Stadt Darmstadt und der Kreis Darmstadt-Dieburg (zusammen 213.000 €), die Stadt Hanau (13.000, €) und der Kreis Offenbach (53.000 €) teilen. Die andere Hälfte der Kosten trägt der RMV.

Auch die anderen Parlamente stimmen nach und nach der Finanzierung zu.

März 2007 - Beschaffung der neuen Itinos verzögert sich, Auslieferung frühestens 2009

Wie das Darmstädter Echo am 21. März 2007 berichtet, verzögert sich die geplante Bestellung dreier neuer Itinos. Hintergrund sind Streitigkeiten zwischen dem RMV und der Herstellerfirma Bombardier um den Preis. Die Itinos werden deshalb - selbst wenn in Kürze eine Bestellung erfolgt - frühestens 2009 ausgeliefert werden können.

15. Mai 2007 - Doch keine neuen Itinos, stattdessen andere Triebwagen?
VCD fordert Alternativen zum Itino

Laut Odenwälder Echo vom 15. Mai 2007 wird es vermutlich nicht möglich sein, den Fuhrpark der Odenwaldbahn um drei auf 24 Triebwagen des Typs Itino aufzustocken. So sagte der Odenwälder Landrat Horst Schnur in einer Sitzung des Kreistagsausschuss für Bausachen, dass die Bahntechnik-Firma Bombardier die inzwischen eingestellte Produktion dieser Triebwagen-Baureihe nicht mehr zu wirtschaftlichen Bedingungen anlaufen lassen. Letztlich wurden nur 40 Triebwagen hergestellt. Schnur geht nun davon aus, dass künftig auf den Odenwaldstrecken drei Triebwagen eines anderen Typs mitlaufen werden.

ItinoWie am 16. Mai 2007 bekannt wurde, verhandelt der RMV noch mit der Fa. Bombardier. Da der Itino aber nicht mehr produziert wird, ist mehr als fraglich, ob es noch zu einer Einigung kommt. Sollten Triebwagwen eines anderen Typs eingesetzt werden müssen, käme es zwangsläufig zu einem Mischbetrieb von Fahrzeugen auf der Odenwaldbahn. Dieser wäre mit höheren Kosten verbunden.

VCD: Alternativen zum Itino prüfen

Unterdessen hat sich der VCD für eine Prüfung von Fahrzeugalternativen zum Itino ausgesprochen. Damit sollen die latenten Platzprobleme auf der Odenwaldbahn dauerhaft gelöst werden. Konkret schlägt der VCD in der "umweltfairbund" vom Juni 2007 vor, dass drei Itinos vom Streckenast Hanau - Wiebelsbach abgezogen werden und auf dem stärker belasteten Streckenast Wiebelsbach - Darmstadt/Nord - Frankfurt zum Einsatz kommen. Die Regionalbahnen Wiebelsbach - Hanau könnten auch mit anderen Fahrzeugen bedient werden. In betrieblicher Nähe zur Strecke Hanau - Wiebelsbach befinden sich dem VCD zufolge drei erfahrene Eisenbahn-Verkehrsunternehmen:

  • Die Hessische Landesbahn setzt auf den Strecken Hanau - Friedberg und Hanau - Schöllkrippen Fahrzeuge der Typen Desiro und GTW ein.
  • Die Westfrankenbahn betreibt das Bahnbetriebswerk Schöllkrippen. Dort stehen Fahrzeuge der Typen Desiro und VT 628 zur Verfügung.
  • DB Regio Hessen befährt die Dreieichbahn mit Fahrzeugen des Typs VT 628 vom Betriebshof Darmstadt aus.

Der VCD fordert den RMV und die an der Odenwaldbahn liegenden Städte und Landkreise auf, umgehend mit den drei Unternehmen Gespräche zu führen, ob und wann die Betriebsübernahme der RegionalBahn Züge Hanau - Wiebelsbach möglich ist.

09. Juli 2007 - Fahrradverbot aufgehoben

Fahrgäste können jetzt wieder jederzeit ihr Fahrrad mitnehmen. (Siehe auch 24. Juli 2006)

11. August 2007 - Neue Itinos, noch immer Verhandlungen um den Preis?

Wie das Darmstädter Echo (DE) am 11. August 2007 berichtet, laufen noch immer Verhandlungen hinsichtlich der Erweiterung des Fahrzeugparks der Odenwaldbahn. Die Meldung eines Internetportals, wonach die Itinos schon bestellt sind, war demnach offensichtlich falsch. Angesichts des Durcheinanders verlangt die Odenwälder Kreistagsfraktion der Grünen jetzt Aufklärung, ob die drei neuen Itinos bestellt wurden, oder nicht.

Itino-Hersteller „Bombardier“ rechnet gegenüber dem DE vom 11.08.2007 vor, dass die gewünschten drei weiteren „Itinos“ allein sich nicht lohnen, um die Produktion wieder aufzunehmen. RMV-Sprecher Peter Vollmer versichert gegenüber der Zeitung: „Wir werden auf jeden Fall dafür sorgen, dass die steigenden Fahrgastzahlen nicht an den Zugkapazitäten scheitern werden.“ Laut Vollmer laufen die Verhandlungen mit Bombarider gut. Im Notfall hätte man noch Optionen. Wie die aussehen sollen, ließ der RMV offen. Hinsichtlich des Kaufpreises für die drei neuen Triebwagen liegen der RMV und Bombardier ganz offensichtlich noch weit auseinander.

14. August 2007 - Die drei neuen Itinos sind bestellt

Lange hat es gedauert, und zwischenzeitlich brodelte die Gerüchteküche heftig. Am Dienstag (14.08.2007) war es dann endlich so weit: Nach langwierigen Verhandlungen unterzeichneten die Fahrzeugmanagement Region Frankfurt Rhein-Main GmbH und die Bombardier Transportation GmbH die Kaufverträge für die drei Fahrzeuge, die zusätzlich zu den bereits vorhandenen 22 Itinos auf der Odenwaldbahn eingesetzt werden sollen. Damit ist klar, dass kein anderer Triebwagen – wie zwischenzeitlich angedacht oder gefordert- zum Einsatz kommen wird.

Laut Pressestelle des RMV werden die Schienenfahrzeuge wegen der starken Auslastung der Odenwaldbahn benötigt. Fahrgastzuwächse um rund 30 Prozent seien auf der Odenwaldbahn seit der Umsetzung des neuen Fahrplankonzepts mit durchgehenden Zügen nach Frankfurt zum Fahrplanjahr 2006 zu verzeichnen. Dabei verschweigt der RMV, dass schon im Vorfeld der Modernisierung der Odenwaldbahn massive Kritik an den Kapazitäten der bestellten Itinos laut wurde. Diese Kritik setzte sich auch während der ersten Betriebsmonate der neuen Odenwaldbahn fort (siehe Infokasten „Weitere Informationen“). Mit der jetzt erfolgten Bestellung räumt der RMV letztlich ein, dass die Kritiker Recht hatten. Eine Entschuldigung für die teilweise heftigen Angriffe des RMV gegen Fahrgäste, sowie Fahrgast- und Umweltschutzverbände blieb auch diesmal aus.

Was kosten die drei Itinos?

Unklar blieb zunächst der Preis für die drei Itinos. Auf Nachfrage des Odenwälder Echos wurde lediglich eingeräumt, dass der Stückpreis beim Kauf von über zwanzig Fahrzeugen wie bei der ersten Marge günstiger ausfalle, als jetzt. Laut Auskunft der Zeitung dürften die Stückpreise nun deutlich über drei Millionen Euro liegen. Dabei werden auch Mehrkosten für die am Kauf finanziell beteiligten Kreise entstehen.

Zum Einsatz kommen die neuen Züge nunmehr vsl. ab Februar/März 2010. Solange bleibt es bei den Kapazitätsengpässen einiger Züge im Berufsverkehr. Zwar wäre es problemlos möglich, die RB-Züge der Linie 64 Hanau – Wiebelsbach mit Triebwagen anderer Hersteller zu fahren und die freiwerdenden Itinos auf der Linie 65 – insbesondere zwischen Frankfurt, Darmstadt/Nord und Wiebelsbach einzusetzen. Eine solche fahrgastfreundliche Zwischenlösung wird es aber nicht geben.

Bestellt wurden übrigens erneut zweiteilige Itinos. Auf die Idee, dreiteilige Züge mit mehr Sitzplätzen zu bestellen, kam der RMV nicht. Sollten die Fahrgastzahlen auf der Odenwaldbahn weiter ansteigen, könnten eventuell auch die vier zusätzlichen Itinos nicht ausreichend sein.

RMV hat Option auf vierten Itino

Wie am 12.09.2007 im Zusammenhang mit einer eventuellen Verlängerung der Odenwaldbahn nach Pfungstadt bekannt wurde, hat sich der RMV eine Option auf die Bestellung eines vierten zusätzlichen Itino bei Bombardier gesichert. Würde dieser alsbald bestellt werden, stünde er gleichzeitig mit den anderen dreien im Sommer/Herbst 2009 zur Verfügung.

15.11.2007/24.07.2008 - Vierter zusätzlicher Itino für die Pfungstadt-Bahn

Bereits am 14.08.2007 (siehe Bericht oben) waren die Kaufverträge für drei neue Itinos unterzeichnet worden. Für die geplante "Verlängerung" der Odenwaldbahn nach Pfungstadt ist nun noch ein vierter Itino bestellt werden.

Ab 19. Oktober 2008: Fahrplanänderung bringt Schnellbus statt Zug zur Verbesserung der Kapazität

Nach den Herbstferien 2008 soll ein Schnellbus für zusätzliche Kapazität auf der Odenwaldbahn sorgen. Dieser wird den zweiten morgendliche Zug von Wiebelsbach nach Eberbach im Abschnitt zwischen Wiebelsbach und Erbach ersetzen. Dadurch wird nach Aussage der OREG ein zusätzlicher Itino frei. Dieser wird entweder den ersten RE der Linie 64 von Erbach über Hanau nach Frankfurt verstärken, oder aber den ersten "Schnellen Odenwälder" von Erbach nach Darmstadt. Welcher Zug genau verstärkt wird, wollen die Verantwortlichen erst nach Einführung des Schnellbusses und der Fahrplanänderung entscheiden.

20.06.2009 - Neue Itinos erst im Dezember 2009 im Einsatz

Wie heute bekannt wurde, werden die drei zuerst bestellten neuen Itinos erst Mitte September 2009 ausgeliefert. Eigentlich sollten sie schon im Sommer 2009 zum Einsatz kommen, aber Wegen Lieferproblemen des Getriebeherstellers kam es zu Verzögerungen in der Produktion. Laut OREG sei mit der vertraglichen Abnahme nach gegenwärtigem Stand Ende Oktober oder Anfang Dezember zu rechnen, so dass zum Fahrplanwechsel im Dezember 2009 zumindest drei zusätzliche Itinos zur Verfügung stehen. Ob der vierte - zusätzliche bestellte - Itino auch schon im Dezember zur Verfügung steht, ist derzeit noch unklar.

17.11.2009 - Neue Itinos stehen zum Fahrplanwechsel nicht zur Verfügung

Denn das Eisenbahn-Bundesamt hat die Auslieferung der vier Fahrzeuge vorerst gesperrt. Hintergrund sind Probleme mit der Bremsanlage. Zwar hat der Hersteller Knorr Bremse schon eine Lösung für das nach eigenen Angaben nicht sicherheitsrelevante Problem gefunden, wartet allerdings noch auf die technische Abnahme durch die Behörde. Selbst wenn diese schnell erfolgt, können die neuen Itinos vsl. erst im Februar 2010 zum Einsatz kommen. Denn die neue Antriebstechnik erfordert laut Rhein-Main-Verkehrsverbund eine praktische Nachschulung der Zugführer. OREG-Geschäftsführer Peter Krämer zeigte sich über die erneute Verzögerung enttäuscht.

05.12.2009 - Itinos im Probebetrieb

Die neuen Itinos sind - wie Oreg-Nahverkehrschef Peter Krämer auf Nachfrage des Odenwälder Echos berichtete - mittlerweile für den Probebetrieb zugelassen. Dieser erfolgt jetzt von Michelstadt und Erbach aus.

07.12.2009 - Neue Itinos: Zulassung steht bevor

Wie das Magazin Eurailpress meldet, steht die Zulassung der vier neuen Itinos durch das Eisenbahn-Bundesamt kurz bevor.

14.12.2009 - Neue Itinos sollen Züge nach Frankfurt entlasten

Laut Auskunft der DADINA sollen die neuen Itinos hauptsächlich die Direktzüge nach Frankfurt am Main entlasten. Hier soll dann im Berufsverkehr (fast) jeder Zug mit drei Itinos unterwegs sein.

16.01.2010 - Neue Itinos auf Abstellgleis

Itino Horst SchnurIm September 09 war er auf den Namen "Horst Schnur" getauft worden - einer der vier neuen zusätzlichen Itinos. Zulassungsprobleme verhindern jedoch weiterhin den Einsatz. Zusammen mit zwei anderen "Neuen" steht er deshalb am 16.01.2010 auf einem Abstellgleis im Bahnhof Erbach.

28.01.2010 - Zulassung der neuen Itinos verzögert sich weiter

Wie der RMV in einer Pressemitteilung schreibt, fehlen noch immer die notwendigen Genehmigungen des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) für die Inbetriebnahme der neuen Fahrzeuge. So ist die Bremsproblematik weiter nicht gelöst. Ein neues Bauteil - das die Bremsbacken entsprechend dem Verschleiß automatisch nachstellt - ist noch nicht freigegeben. Darüber hinaus geht es um die Software, die notwendig ist, um alte und neue Fahrzeuge aneinander zu kuppeln. Außerdem sei - so der Sprecher des EBA gegenüber dem Darmstädter Echo vom 29.01.2010 - ein neues Problem bei jenen Steuerventilen aufgetreten, die eine Notbremsung auslösen. Vor der Freigabe seien durch den Hersteller Bombadier noch weitere Tests zu absolvieren. Der RMV bedauert die Verzögerung und kann keinen konkreten Termin für die Inbetriebnahme nennen. Ohnehin ist nach einer erfolgten Zulassung erst noch ein Probetrieb erforderlich. Laut Echo hat jeder neue Itino 3,8 Mio. € gekostet.

25.02.2010 - Neue Itinos: Zulassung geschafft!

Die vier neuen Itinos sind vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassen worden. Vor einem Einsatz sind jetzt noch Anpassungen an den Fahrzeugen nötig.
Mehr beim RMV

25.04.2010 - Neue Itinos im Einsatz
Praktisch keine Verbesserungen für Pendler zur Fa. Merck

Seit heute sind die neuen Itinos endlich im Fahrgasteinsatz unterwegs. Einer der ersten neuen war VT 125 , der zusammen mit VT 105 um 11:25 h von Frankfurt Hbf nach Erbach fuhr. Mit den neuen Itinos werden diverse Berufsverkehrzüge sowohl auf der Linie 64 als auch auf der Linie 65 um jeweils einen Triebwagen verstärkt. Pendler zur Fa. Merck in Darmstadt haben dagegen (s. unten) praktisch keine Verbesserungen.

Pressemitteilung des RMV vom 30.04.2010
Neue Itinos auf der Odenwaldbahn

Vier zusätzliche vom RMV finanzierte Fahrzeuge sind ab Montag, 3. Mai 2010 (Anm. von Bahnhof Mühltal: So - siehe oben - nicht ganz richtig) auf der Odenwaldbahn im Einsatz und verstärken die vorhandene Fahrzeugflotte. Die Fahrzeuge des Herstellers Bombardier vom Typ Itino RMV 2 werden eingesetzt, um in den Spitzenzeiten mehr Platz für die Fahrgäste zu bieten. Mit der Inbetriebnahme der Fahrzeuge nutzt der RMV gemeinsam mit dem Verkehrsunternehmen VIAS die Gelegenheit, den Fahrzeugeinsatz insgesamt an den Bedarf anzupassen. Damit werden besonders in der Hauptverkehrszeit sehr stark frequentierte Züge mit mehr Triebwagen unterwegs sein.

RMV-Bahnlinie 65

So fährt zum Beispiel auf der RMV-Bahnlinie 65 der Zug um 6.25 Uhr von Erbach nach Darmstadt künftig mit drei statt mit zwei Wagen, die Fahrt mit Abfahrt in Groß-Umstadt Wiebelsbach um 7.41 Uhr wird ebenfalls auf drei Wagen verstärkt. Ebenso erhält der Zug um 9.25 Uhr ab Frankfurt Hauptbahnhof über Darmstadt Nord bis Groß-Umstadt Wiebelsbach einen zusätzlichen Wagen. Ab Frankfurt werden besonders die beiden sehr stark belasteten Fahrten um 17.25 Uhr und um 18.24 Uhr um je einen zusätzlichen Triebwagen, das heißt zwischen Frankfurt Hauptbahnhof und Groß-Umstadt Wiebelsbach auf drei Wagen und zwischen Groß-Umstadt Wiebelsbach und Erbach auf zwei Wagen, verlängert.

RMV-Bahnlinie 64

Auf der RMV-Bahnlinie 64 wird der Zug um 5.50 Uhr ab Erbach über Hanau nach Frankfurt ab Erbach um einen Wagen verstärkt und verkehrt daher ab Groß-Umstadt-Wiebelsbach mit drei Wagen bis Frankfurt Hauptbahnhof. Darüber hinaus wird auch der Zug 7.54 Uhr ab Erbach über Hanau nach Frankfurt um einen Wagen auf dann zwei Wagen verstärkt. Der Zug um 18.38 Uhr ab Frankfurt Hauptbahnhof fährt bis Groß-Umstadt-Wiebelsbach mit einem zusätzlichen Wagen.

ItinoDer VT 123 ist stellvertetend für die 4 neuen Itinos, die die EU-Abgasrichtlinien eco 4 erfüllen, mit einer entsprechenden Bemalung versehen. Aufgenommen am 05.08.2010

Verbesserungen für Fahrgäste aus Mühltal

Mühltal profitiert Richtung Frankfurt nur von der Verstärkung des SE 65 um 08.02 Uhr ab Mühltal auf drei Triebwagen (bisher zwei). In der Gegenrichtung werden die Züge (SE 65) um 17.25 Uhr und 18.24 Uhr ab Frankfurt ebenfalls auf je drei Triebwagen (bisher zwei) verstärkt.

Keine Verbesserungen für Pendler zur Fa. Merck und "halb acht" Pendler nach Frankfurt auf Linie 65

Kaum Verbesserungen gibt es dagegen für Beschäftigte der Fa. Merck. So verkehrt der stark genutzte SE mit Abfahrt um 06.25 Uhr ab Wiebelsbach über Darmstadt Nord nach Frankfurt am Main (Ankunft 07.20 Uhr) weiterhin nur mit zwei Triebwagen. Und auch der ab Darmstadt Nord stark genutzte SE mit Abfahrt 15.25 Uhr ab Frankfurt am Main ist auch weiterhin nur mit zwei Triebwagen unterwegs.

Stand: 05.08.2010

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